Aachen - Wertz-Gelände: Notfalls schlägt Stadt zu

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zur Webansicht So. 19.08.2018

Wertz-Gelände: Notfalls schlägt Stadt zu

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Seit Jahren ist es eine Stätte des Stillstands, und eine ausgesprochen hässliche dazu: die mehr als 8000 Quadratmeter große Brache am Hohenzollernplatz, im Volksmund wegen der früheren Besitzverhältnisse besser bekannt als sogenanntes Wertz-Gelände.

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Keimt am Hohenzollernplatz auch die Hoffnung, dass dort bald dringend benötigte Wohnungen entstehen? Bei der Stadtverwaltung sieht man das offenbar nicht so: Sie will für den Fall der Fälle ein besonderes städtisches Vorkaufrecht festschreiben lassen, um auf dem sogenannten Wertz-Gelände notfalls selber Fakten schaffen zu können. Foto: Michael Jaspers

Dabei gab es schon öfter Pläne, die öde Ecke in ein lebhaftes Wohnquartier zu verwandeln. Zuletzt waren diese sogar sehr konkret: 170 Wohnungen sollen auf dem Areal an der Ecke Joseph-von-Görres-Straße/Stolberger Straße entstehen, knapp ein Viertel davon als öffentlich geförderter Wohnraum. So ist es im Bebauungsplan festgeschrieben. Bloß: Bislang hat die Wohnungen niemand gebaut.

Und weil dieser Bebauungsplan auch schon seit fast vier Jahren beschlossene Sache ist, ohne dass etwas passiert wäre, will die Stadtverwaltung nun sicherstellen, dass sie im Fall der Fälle am Hohenzollernplatz selber zuschlagen kann. In der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Mitte am kommenden Mittwoch, 11. April, soll die Politik dem Erlass einer Satzung für ein besonderes Vorkaufsrecht für das Grundstück zustimmen. Soll heißen: Sollte das Areal abermals veräußert werden, kann die Stadt dieses Vorkaufsrecht geltend machen, um dort selber endlich Fakten zu schaffen.

Man hege die Befürchtung, dass das Grundstück trotz gestellter Bauanträge nicht bebaut werde, begründet die Verwaltung in der Sitzungsvorlage ihren Vorstoß. Schließlich sei das Gelände in der Vergangenheit bereits mehrfach an Projektentwickler veräußert worden, die das Bauvorhaben dann selber nicht umsetzen wollten. Angesichts des „angespannten Wohnungsmarktes“ und der dauerhaft „hohen Nachfrage“ nach bezahlbarem Wohnraum in Aachen sei es vordringliches Ziel der Stadt, dass Baugebiete auch bebaut würden, heißt es in der Vorlage. Und nicht zuletzt könne man schließlich auch die Ausweisung neuer Baugebiete am Stadtrand wesentlich besser vertreten, wenn man auch die Potenziale im Innenbereich der Stadt wie am Hohenzollernplatz zeitnah nutze.

Worauf sich die Befürchtung der Verwaltung, dass das frühere Wertz-Gelände auch weiter eine Stätte des Stillstands bleibt, konkret stützt, steht nicht in der Vorlage. Der letzte Besitzerwechsel, der öffentlich bekannt geworden war, wurde vor rund zwei Jahren vollzogen. Damals erwarb der bekannte Aachener Großinvestor Gerd Sauren das Grundstück. Zuvor hatte sich dort bereits ebenfalls rund zwei Jahre nichts getan, weil der ursprüngliche Projektentwickler – eine Firma aus Wesel – plötzlich nicht mehr im Rennen war.

Bunker weggebaggert

Nachdem Sauren das Areal übernommen hatte, kam tatsächlich vorübergehend Bewegung in die Brache. Die Reste des dortigen Hochbunkers – einer der letzten Bunker, die im Zweiten Weltkrieg in Aachen zum Schutz der Zivilbevölkerung gebaut worden waren – wurden von einer Spezialfirma abgerissen. Seitdem ist das Grundstück eigentlich bestens bebaubar. Aber niemand baut.

Allerdings hatte Sauren damals schon zunächst einmal auf die Bremse getreten. Für einen konkreten Zeitplan sei es noch zu früh, sagte er vor zwei Jahren. Es sei noch nicht sicher, ob man schon 2017 oder erst 2018 mit dem Bau loslegen könne. Zunächst müsse man tiefer in die Materie einsteigen und konkrete Gespräche mit der Bauverwaltung führen.

Wie der aktuelle Zeitplan für das Bauvorhaben aussieht oder ob das Grundstück möglicherweise wieder verkauft wurde oder zum Verkauf steht – nur dann könnte die Stadt per Vorkaufsrecht zuschlagen –, war am Mittwoch nicht in Erfahrung zu bringen. Gerd Sauren selber war nicht zu erreichen, und auch sein Büro konnte auf Anfrage keine Informationen zum aktuellen Stand der Dinge geben.