Aachen - „Öcher Investörchen“: Verrückte Idee auf dem Weg zum Volltreffer

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zur Webansicht Do. 24.05.2018

„Öcher Investörchen“: Verrückte Idee auf dem Weg zum Volltreffer

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Drei Männer, ein Verein, eine Idee. Als Frank Dressen-Kreitz vor gut drei Wochen hörte, dass Alemannias Trainer und Sportdirektor Fuat Kilic eventuell einige wichtige Spieler aus finanziellen Gründen nicht würde halten können, entwickelte er spontan eine Idee: sammeln, helfen, etwas für die Alemannia tun.

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Die ersten drei Öcher Investörchen: Helmut Jordans, Frank Dressen-Kreitz und Willi Kutsch (von links) haben schon jetzt eine Summe zusammen, die Trainer Fuat Kilic hilft. Foto: Andreas Schmitter.

In Helmut Jordans und Willi Kutsch fand er schnell Brüder im Geiste. Man kannte sich schon länger aus der Alemannia-Szene, man mochte sich, und man war sich schnell einig.

Die Aktion „Ich auch. Öcher Investörchen“ war geboren. Anfangs vielleicht noch etwas belächelt, entwickelte das Trio das nötige Selbstbewusstsein, aus Phantasien Realität werden zu lassen. Geld sammeln, das in Beine gesteckt werden könnte.

Über eine Facebook-Seite wurde die Öffentlichkeit gesucht, und das Unternehmen nahm schnell an Fahrt auf. „Als sich direkt 20 Mann zum Mitmachen meldeten, dachten wir – da geht was“, beschreibt Kutsch die ersten Schritte.

Und als nach zwei Tagen schon 200 „Investörchen“ gefunden waren, die Geld geben wollten und das Motto „Ich auch“ zu ihrem machten, stand für das Alemannen-Trio fest: Sie bleiben am Ball.

Um die Aktion nicht zu einem Husarenritt werden zu lassen, sicherte man sich zu allen Seiten hin ab. Kontakte zum Verein, zu Anwälten und Steuerexperten wurden gesucht, um so einige wichtige Rahmenbedingungen festzuzurren. Darauf legen die Initiatoren extrem Wert: „Man kann nicht oft genug betonen, dass geleistete Geldbeträge keine Spenden sind“, unterstreicht Kutsch immer wieder. Bei der Alemannia wurde ein Sonderkonto eingerichtet. Überweisungen sind aber keine abzugsfähigen Zahlungen. Es gibt keine Spendenquittungen, das Geld kann so weder in den Geschäftsbetrieb des Vereins noch in die Insolvenzmasse des immer noch laufenden Verfahrens fließen. Jeder Geber schenkt das Geld – eben als kleiner Investor oder „Öcher Investörchen“.

Die charmante Beschreibung der Aktion ist dabei mitnichten als Statement in der inzwischen sowieso abgeebbten Investorendiskussion zu verstehen. „Trainer Fuat Kilic soll einfach Geld haben, um den Aufbau der jungen Mannschaft vorantreiben zu können“, erklärt Dressen-Kreitz die Zielrichtung, „wir verstehen uns als Bindeglied zwischen den Fans und den sportlich Verantwortlichen.“

Immerhin über 28.500 Euro sind bis Mittwoch, 2. Mai, zusammengekommen. Eine Zahl, die vor dem Hintergrund der Gehaltsspanne der Spieler zwischen 450 und 1500 Euro in der laufenden Saison tatsächlich eine konkrete Bedeutung bekommt.

Das bestätigt Alemannias Geschäftsführer Martin vom Hofe: „Die Summe hilft wirklich. Wie, das muss alleine Fuat Kilic entscheiden. Ob mehrere Gehälter aufgebessert und so Spieler gehalten werden, oder die Summe in eine Neuverpflichtung fließt – das geht nur den Trainer etwas an.“ Zudem habe die Aktion „Öcher Investörchen“ aber auch eine enorme Strahlkraft und zeige, dass der Verein lebe. Und sie zeige die enorme Sensibilität der Anhänger für die aktuelle Situation.

Nicht weniger Lob zollt Präsident Dr. Martin Fröhlich. Er spricht von einem „großartigen Zeichen und der Leidenschaft der Region für die Alemannia“. Umgekehrt nähmen die Initiatoren aber auch die Verantwortungsträger in die Pflicht und setzten gegenüber der Wirtschaft ein Signal.

Dieses ist bei einigen kleineren Unternehmern bereits angekommen. „Ein Handwerker hat gleich mehrere hundert Euro überwiesen. Dafür bekommt er natürlich auch die Möglichkeit, sich auf unserer Seite zu präsentieren“, nennt Willi Kutsch eine Möglichkeit sich zu bedanken. Zudem bekommt jedes „Investörchen“ einen speziellen Ansteck-Pin. Die Aktion soll ihren Schneeballeffekt verstärken.

Die jeweilige Summe sei natürlich jedem selbst überlassen. 50.000 Euro wären ein Traum, ist sich das Trio einig, denn Handlungszwang sei unübersehbar. Helmut Jordans: „Dass in der Saison 2018/19 der Westmeister direkt aufsteigt, birgt eine enorme Chance. Wir müssen jetzt etwas tun. Denn die Konstellation bekommen die anderen Vereine in unserer Liga natürlich auch mit…“ Wer Kontakt aufnehmen will, kann dies per E-Mail unter tun: oecherinvestoerchen@gmail.de