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zur Webansicht Di. 19.09.2017

18 Jahre, neun Identitäten, 28 Straftaten alleine in Aachen

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Aachener Polizei hat im Zuge umfangreicher Kontrollmaßnahmen einen bemerkenswerten Fahndungserfolg gelandet. Denn bei den Maßnahmen der hiesigen Einsatzhundertschaft, die sich sowohl am Montag als auch am Dienstag über viele Teile des Stadtgebiets erstreckten, ging den Ermittlern ein 18-Jähriger ins Netz, der sich im Zuge der weiteren Nachforschung als ziemlich dicker Fisch entpuppte.

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Halt Polizei! Bei umfangreichen Kontrollen hat die Polizei am Montag und Dienstag an verschiedenen Stellen der Stadt Fahndungserfolge erzielt. Mehrere Personen wurden festgenommen. Foto: Michael Jaspers

Denn der junge Mann, der sich erst im vergangenen Oktober als Flüchtling in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen hatte registrieren lassen, hatte alleine in Aachen binnen kurzer Zeit 28 teils schwere Straftaten verübt – wobei die Art der Delikte von Diebstählen, über Körperverletzung bis hin zu Raubtaten reichte.

Aufgefallen war der Mann den Beamten, als sie gemeinsam mit Kräften des Ordnungsamts in einem Wettbüro in der Peterstraße und im benachbarten Bereich Gasborn insgesamt rund 65 Personen überprüften, wobei es laut Polizei gleich zu mehreren Festnahmen kam.

Darunter waren auch zwei junge Männer aus Hessen, die im Polizeicomputer „zur Feststellung ihres Aufenthalts vermerkt“ waren, wie es im Polizeibericht heißt. Der Hintergrund: Gegen sie laufen in dem Bundesland mehrere Strafverfahren, die aber nicht abgeschlossen werden konnten, weil die Männer flüchtig waren.

Bei einem der beiden – eben dem besagten 18-Jährigen – ergaben weitere Ermittlungen, dass er sich nach seiner Registrierung in Gießen dort nie wieder blicken ließ, sondern kreuz und quer durchs Bundesgebiet reiste und dabei laut Polizei insgesamt neun Aliasnamen – also verschiedene Identitäten – benutze. Für Aachen scheint der reisefreudige Kriminelle, über dessen Nationalität(en)  nichts bekannt wurde, dabei angesichts von 28 aufgefallenen Straftaten ein besonderes Faible entwickelt zu haben. Aber vermutlich verhält es sich eher so, dass die Gesamtzahl seiner Straftaten in Deutschland noch deutlich höher liegt.

Bei dem Einsatz im Bereich Peterstraße/Gasborn wurden zwei weitere Personen festgenommen, die sich illegal in Deutschland aufhielten. Außerdem klickten für einen anderen 18-Jährigen die Handschellen, weil gegen ihn ein Haftbefehl wegen eines Jugendarrests vorlag. Strafverfahren leiteten die Einsatzkräfte gegen vier Personen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ein.

Drogen fand man nämlich auch in dem Wettbüro, und zwar gleich neben neun falschen 50-Euro-Scheinen, die im Schlitz eines Sofabezuges steckten. Als die in diesem Raum anwesenden Personen belehrt und befragt wurden, wem das Rauschgift und das Falschgeld gehöre, seien diese „der deutschen Sprache spontan nicht mehr mächtig“ gewesen, so die Polizei. Eine wenig glaubhafte Erklärung gab demnach auch ein 22-Jähriger, bei dem die Beamten eine EC-Karte fanden, die aus einem Diebstahl stammte: Er habe sie gefunden und sei noch nicht dazu gekommen, sie bei der Polizei abzugeben, sagte er. Allerdings war bereits mehrfach versucht worden, mit der Karte Geld abzuheben...

Am Dienstag wurden die Kontrollmaßnahmen fortgesetzt. Unter anderem trat die Einsatzhundertschaft in der Adalbertstraße und auf der Trierer Straße in Aktion, wo vornehmlich Fahrzeuge und Busse kontrolliert wurden. „Wir verstärken diese Maßnahmen gerade wieder“, sagte Polizeisprecher Paul Kemen, „und der Erfolg gibt uns ja auch Recht.“

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