Wir wissen es doch!

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Wir wissen es doch!

Ein Kommentar von Christoph Pauli

Auf mögliche Folgen des Nikotinkonsums hat der Gesetzgeber drastisch reagiert: Zur Veranschaulichung und gleichsam zur Abschreckung müssen nun Schockbilder auf die Zigarettenschachteln aufgedruckt werden. Kindersärge, abgefaulte Zähne, kranke Lungen.

Ließen sich solche Hinweise auch auf andere Bereiche übertragen? Wenn der Landwirtschaftsminister zum Beispiel darauf bestehen würde, dass auf Fleischpackungen Schockbilder von ausblutenden Rindern oder sterbenden Schweinen aufgeklebt würden? So wird es sicher nicht kommen, erst durch die gelungene Lobbyarbeit der Fleischindustrie ist die Massentierhaltung möglich geworden, die längst gesellschaftsfähig geworden ist.

Wir wissen doch Bescheid

Warnhinweise sind auch überflüssig, denn wir alle wissen doch Bescheid. Dass männliche Küken geschreddert werden, dass 110 Kilogramm schwere Schweine ihr halbjähriges Leben ohne Frischluft auf wenigen Quadratmetern verbringen, auf denen sie sich kaum wenden können. Wir kennen die Bilder von Hühnerbatterien. Wir wissen, dass die industrielle Fleischproduktion mehr Klimagase produziert als alle Autos, Flugzeuge und Schiffe der Welt zusammen. Wir wissen, dass die Aufzucht mit dem Einsatz von Antibiotika verbunden ist. Wir wissen, dass Tiere wie Ware behandelt werden. Wir wissen, dass Puten mit so großen Brüsten gezüchtet werden, dass sie nach vorne überfallen. Wir wissen, dass sie im Akkord geschlachtet werden.

Wir wissen, dass der Schlachtdruck so hoch ist, dass auf nicht sorgsam betäubte Tiere keine Rücksicht genommen wird. Wir wissen, dass ein Landwirt nur ein paar Euro an der Aufzucht eines Ferkels verdient. Wir wissen, dass jedes Jahr weltweit 50 Milliarden Tiere getötet werden, damit sie auf unseren Tellern landen. Wir wissen, dass Fleisch viel zu billig ist und wir zu viel davon essen. Wir wissen, dass der Profit nur durch Masse erzielbar ist. Wir wissen, dass ein tiefgefrorenes Hähnchen billiger ist als ein Glas Wein im Restaurant.

Vielleicht braucht man ein rigideres Tierschutzgesetz, eines, das einen Mindestpreis festlegt, der so hoch ist, dass der Fleischkonsum zurückgeht. Wir müssen nicht zwangsweise Vegetarier werden. Aber wir haben jetzt schon alle Möglichkeiten, die Tierhaltung durch unser Nachfrageverhalten zu verändern. Brauchen wir jeden Tag ein Steak, leisten wir uns Fleisch von Tieren, die artgerechter aufgewachsen sind? Unterstützen wir Landwirte und Metzger, die andere Wege gehen? Die Fragen sind nicht neu. Bislang lautet die Antwort immer: Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach.

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