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Kommentiert: Zusammen, endlich!

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

Es ist der Nationalfeiertag. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Feste, Paraden, Feuerwerk. Über 11.500 Sicherheitskräfte in Paris. Und dann: Nizza.

Da passiert, was wir immer wieder, in Frankreich, in Deutschland und in anderen Ländern fast täglich hören: Wir müssen jeden Tag mit einem terroristischen Anschlag rechnen. Überall.

Aber was ändert sich – außer noch größer werdender Angst, Verunsicherung, Ohnmacht und den üblichen Ritualen wie: stärkere Sicherheitskontrollen an den Grenzen, Kulanz der Reiseveranstalter, Touristik-Aktien unter Druck? Letzteres entbehrt angesichts der Tragödie nicht eines gewissen Zynismuse_SSRq, gehört aber auch zum Kalkül der Terroristen, die Wirtschaft der „Ungläubigen“ zu schwächen.

Unberechenbar

Nun also Nizza, wieder Frankreich, wieder schutzlose Menschen, die sterben oder schwer verletzt werden. Der 31-jährige Tunesier ist offenbar ein Einzeltäter, dass er sich von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ animiert fühlte, möglich, aber bisher nicht bewiesen. Solche „Gefährder“ gibt es in nicht geringer Zahl, auch in Deutschland. Sie radikalisieren sich selber, sie folgen den IS-Aufrufen, „Ungläubige“ zu töten. Sie sind unberechenbar, kaum zu stoppen und so gut wie gar nicht in ihren Plänen und Aktionen rund um die Uhr zu kontrollieren.

Ob das der Hintergrund in Nizza war, wissen wir (noch) nicht. Der IS feierte den Anschlag in den sozialen Netzwerken. Weltweit bedauern Politiker den perfiden Anschlag. Sie sprechen den Familien und Freunden der Opfer ihr Mitgefühl aus, und sie sagen dem so schwer ge- und betroffenen Frankreich uneingeschränkte Solidarität und Partnerschaft zu. Das alles ist richtig und wichtig und es hilft auch in den Stunden nach einem so schmerzlichen und tragischen Ereignis. Aber trägt die Tragödie in Nizza endlich dazu bei, dass sich die Staaten im Kampf gegen den Terror, vor allem gegen den IS, zusammenreißen, zusammenraufen und zusammen einen Plan entwickeln?

Dieses „Zusammen“ gibt es bisher nicht, weil Putin, Erdogan, die Nato, die USA, die EU diesen grausamen Feind, der Feind der Menschlichkeit und der humanen Gemeinschaft ist, nicht in einer gemeinsamen Strategie und Aktion bekämpfen. Angesichts dieser seit schon viel zu langer Zeit anhaltenden islamistischen Barbarei, anders kann man es nicht nennen, darf kein Platz sein für überflüssige Zwistigkeiten zwischen Putin und Erdogan, zwischen der Nato und Russland, zwischen der EU und Erdogan, der EU und Putin, zwischen den USA und Russland, zwischen Osteuropäern und Westeuropäern. Diese Liste ist lang, zu lang.

Endlich muss gehandelt werden, müssen Putin, Obama, die EU, die Nato zu einer kurzfristigen Entscheidung kommen, auch wenn eigene machtstrategische Egoismen dabei auf der Strecke bleiben müssen. Darauf nehmen der IS und seine fanatischen Anhänger keine Rücksicht. Im Gegenteil. Sie nutzen diese selbst verschuldete Schwäche gnadenlos aus.

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