Kommentiert: Wissen, was zu tun ist

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Kommentiert: Wissen, was zu tun ist

Ein Kommentar von Hermann-Josef delonge

Die Hysterie nach dem Auftritt von Oprah Winfrey bei der Verleihung der Goldes Globes sagt alles über den Zustand, in dem sich nicht nur die gedemütigte Demokratische Partei, sondern das ganze Land befindet.

Ihre fulminante Rede, in der sie gegen den Sexismus in Hollywood und den Missbrauch von Frauen zu Felde zog, dauerte nur knapp neun Minuten, doch das reichte völlig aus, um denen, die das Ende der Ära Trump im Weißen Haus herbeisehnen, eine Perspektive zu geben. Nach der sie dann auch wie ausgehungert schnappten. Wie furchtbar.

Nehmen wir an, die 63-Jährige würde tatsächlich antreten – was allenfalls Spekulation ist, und trotzdem spielen alle schon verrückt. Nehmen wir an, die Demokraten würden sie nominieren – was mangels vorzeigbarer Alternativen wahrscheinlich wäre.

So absurd es klingt: Diese Frau hätte dann 2020 alle Chancen, zur ersten Präsidentin der USA gewählt zu werden. Denn niemand im Land ist so bekannt wie sie. Niemand so beliebt – quer durch alle Bevölkerungsschichten. Sie kann mitreißend reden, sie weiß sich zu verkaufen. Sie hat sich aus ärmlichen Verhältnissen hochgearbeitet und ein Milliardenimperium aufgebaut – die perfekte Tellerwäscher-Erzählung. Seit Trump wissen wir: Es braucht gar nicht so viel, um ins Oval Office einzuziehen. Seit Trump wissen wir aber auch: Es braucht viel mehr, um dort zu bestehen.

Zugegeben: Oprah Winfrey ist – nach allem, was wir über sie wissen – zur Empathie fähig, sie liest Bücher, ist lernwillig oder zumindest neugierig auf Neues. Sie gilt als Philantropin und interessiert sich für den Klimaschutz. Das alles unterscheidet sie wohltuend vom Amtsinhaber. Aber: Sie hat von Politik keine Ahnung – wie der derzeitige Amtsinhaber. Was das bedeutet, führt der uns fast täglich vor Augen. Und oft genug hält die Welt dann den Atem an.

Um in den USA gewählt zu werden, reicht es offensichtlich völlig aus, die richtigen Strippen ziehen, das notwendige Geld einsammeln und mitreißend reden zu können. Winfrey kann all das mit Sicherheit. Regierungsverantwortung bedeutet aber viel mehr: harte Arbeit, auch hinter der Kulissen und nicht im Scheinwerferlicht. Die Beschäftigung mit komplexen Details – was sehr anstrengend und langweilig sein kann. Die Bereitschaft und Fähigkeit, Kompromisse zu finden und einzugehen, zwischen weit auseinander liegenden Positionen zu vermitteln. Kurz: politische Erfahrung statt Showbusiness. Das ist es, was die Welt im Weißen Haus braucht.

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