Kommentiert: Wie viel, wie wenig?

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Kommentiert: Wie viel, wie wenig?

Ein Kommentar von Nina Lessenich

Facebook hat am Montag erstmals Zahlen dazu veröffentlicht, wie viele Beiträge das Soziale Netzwerk wegen strafbarer Hass-Kommentare bereits entfernt hat:

Allein in Deutschland habe man in den vergangenen Monaten rund 100.000 Postings mit Hassrede gelöscht, sagt Facebooks europäischer Politik-Verantwortlicher, Richard Allan.

Vorbildlich, mag man zunächst denken. Allerdings macht Facebook keinerlei Angaben dazu, wie viele Inhalte in dieser Zeit insgesamt wegen Hass und Hetze gemeldet wurden. Wie groß – oder womöglich auch klein – das Problem in dem Sozialen Netzwerk also tatsächlich ist, bleibt offen. Facebook bleibt die Antwort schuldig, ob aktuell 99 oder ein Prozent aller Hasskommentare gelöscht werden.

Mit dieser Verschleierungstaktik untergräbt Facebook die Transparenz, die in der Diskussion um die Gesprächskultur im Netz so dringend notwendig wäre – und tut sich damit selbst keinen Gefallen. Wer so viel Macht hat wie Facebook, Twitter und Co. hat damit unweigerlich auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Unternehmen sollten sich klar dazu positionieren, ob sie es akzeptieren, dass Hass und Gewalt in der Öffentlichkeit verbreitet werden. Tun sie es nicht, bieten sie Hass-Kommentaren weiterhin eine Plattform.

Die Überlegung von Bundesjustizminister Heiko Maas, Soziale Netzwerke künftig zu verpflichten, offenzulegen, wie viele Beschwerden sie wegen illegaler Hass-Kommentare bekommen haben und wie sie damit umgegangen sind, ist entsprechend nachvollziehbar. Denn ohne Kontrolle und Transparenz lässt sich kaum nachvollziehen, wie aktiv gegen Hass-Kommentare vorgegangen wird – oder eben nicht.

Fakt ist: Hass und Hetze haben im Netz nichts verloren. Das Problem: Spricht man das laut aus, werden schnell Stimmen laut, die von Zensur und Eingriffen sprechen. Natürlich ist die Meinungsfreiheit ein hohes Gut, das es zu akzeptieren gilt – dazu gehört auch, Meinungen auszuhalten, die nicht der eigenen entsprechen. Doch die Grenzen der Meinungsfreiheit sind in diesem Land klar definiert. Beleidigung, Bedrohung, Volksverhetzung und Gewaltaufrufe sind Straftaten. Und diese Grenzen müssen überall gelten, auch in Sozialen Netzwerken.

Die Spielregeln für den Umgang mit Hetze im Netz müssen überdacht werden – es muss mehr Verantwortung geben, auch für Unternehmen. Und das bedeutet: Facebook sollte die ganze Wahrheit offenlegen, nicht nur die halbe.

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