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Kommentiert: Weitermachen!

Ein Kommentar von Amien Idries

Schalten wir für einen Moment in den sarkastischen Modus: Wären die Menschen, die den Anschlag auf den BVB-Bus verübt haben, Marketing-Mitarbeiter, das Lob ihrer Vorgesetzten wäre ihnen gewiss.

Maximale Aufmerksamkeit auf allen Kanälen. Ob nun islamistisch oder nicht: Das was da in Dortmund passiert ist, war natürlich ein brutaler Anschlag, der wohl nur glücklicherweise kein Menschenleben gekostet hat. Es war aber auch ein gewaltiger Mediencoup.

Weil ein Bereich getroffen wurde, von dem manche trotz der Anschläge von Paris immer noch glaubten, er sei sakrosankt. Wer ehrlich ist, muss sich spätestens seit Dienstag eingestehen, dass in Zeiten, in denen Terroristen streng der Aufmerksamkeitsökonomie folgen, ein solches Anschlagsziel geradezu prädestiniert ist. Vor allem, wenn es den perfiden Attentätern gelingt, stets streng abgeschirmte Fußballsuperstars in Gefahr zu bringen.

Nichts und niemand ist sicher, lautet die Nachricht der Angreifer. Nirgends.

Aber, und das ist die positive Nachricht des erschreckenden Dortmunder Abends, wir sind nicht wehrlos. Weil es offensichtlich gut funktionierende Sicherheitsbehörden gibt, die Gefahren eindämmen, wenn auch nicht zu 100 Prozent ausschließen können. Die mit einer gewissen Routine Gefahrenlagen einschätzen, Bürger warnen, ohne in Alarmismus zu verfallen, und bereits am Tag danach die Verhaftung eines mutmaßlichen Attentäters vorweisen können.

Das ist auch psychologisch wichtig, um dem Eindruck von Kontrollverlust entgegenzuwirken, der nach einem solchen Anschlag bei vielen Bürgern vorherrschen wird. Vielleicht noch wichtiger ist das, wofür man den Fußball einfach lieben muss. Dienstagabend hat dieser Sport nämlich gezeigt, warum er trotz geldgeiler Funktionäre und korruptionsverseuchter Verbände seine herausragende gesellschaftliche Stellung zu Recht hat: Weil es zwar um Wettbewerb geht, das Verbindende aber bei den meisten Fußballfans über allem steht.

Außergewöhnliche Freundschaft

Damit sind nicht die Politiker gemeint, die sich nun in Wahlkampfzeiten publikumswirksam einen BVB-Schal um den Hals werfen oder fortwährend Beileids-Tweets raushauen. Nein, es sind die ganz normalen Monaco-Fans gemeint, die solidarisch „Dortmund“ skandierten. Und es sind die ganz normalen BVB-Fans gemeint, die ihre Wohnungen für gestrandete Südfranzosen öffneten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass aus dieser außergewöhnlichen Situation eine außergewöhnliche Fanfreundschaft entsteht.

Solche Gesten der Gemeinsamkeit sind die beste Antwort auf das Gift der Attentäter. Deshalb war es auch – nach dem Abwägen der Risiken, die man von außen kaum beurteilen kann – richtig, das Spiel am Mittwoch nachzuholen. Diese Entscheidung war natürlich auch von den Interessen der Uefa beeinflusst; in diesem seltenen Fall sind sie aber deckungsgleich mit den Interessen der Gesellschaft. Frei nach dem alten Fußballermotto: „Mund abputzen, weitermachen.“

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