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Kommentiert: Weit mehr Gewinner

Ein Kommentar von Thorsten Karbach

Ein freundlicher Händedruck, ein herzlicher Applaus, ein kurzes Blitzlichtgewitter der Fotografen. Und dann?

Wenn in diesen Wochen und Monaten Aachener Forscher mit den wichtigsten wissenschaftlichen Auszeichnungen des Landes NRW, der Bundesrepublik und auch Europas dekoriert werden, dann stellt sich auch die Frage der Nachhaltigkeit solcher Ehren. Was bleibt von einem Leibniz-Preis, dem ERC Grant oder dem NRW-Innovationspreis, außer einem ruhmreichen Satz im Lebenslauf? Jede Menge.

Anders als bei Schauspielern oder Weltfußballern liegt der Profit nicht allein in den Händen des Einzelnen, dem anschließend tolle Rollen oder höchstdotierte Verträge winken. Wissenschaftler anno 2014 sind keine Einzelkämpfer, die Welt ist viel zu komplex, um einen lichtscheuen Eremiten in einem dunklen Keller alles verändernde Theoreme aufstellen zu lassen. Forschung 2014 ist Teamarbeit, interdisziplinärer denn je, und so gibt es viele Gewinner, wenn Leif Kobbelt und Rainer Waser in diesem Jahr den Leibniz-Preis und Christian Hopmann den NRW-Innovationspreis erhalten.

Auch wenn die Professoren am Ende in die Listen der Preisträger eingetragen werden, genauso gewonnen haben ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter, die Assistenten und Promotionsstudenten. Genauso gewonnen haben auch Studierende – auch wenn sie am Ende nicht zu den honorierten Forschungsprojekten beigetragen haben mögen: Sie sehen, dass es sich lohnen kann, Begeisterung für ein Fach – ob Maschinenbau, Physik oder Informatik – zu entwickeln. Sie sehen, dass es für wissenschaftliche Projekte eine Öffentlichkeit gibt, die Interesse an dem hat, was in den Laboren der Hochschulen passiert.

Wenn nun Aachener Professoren mit den wichtigsten Wissenschaftspreisen weit und breit belobigt werden, dann wird auch oder gerade der Blick der Fachwelt auf die hiesigen Hochschulen und das Forschungszentrum Jülich gelenkt – das ist bei jedem der ungezählten Wissenschaftspreise so. Die Zahl mag inflationär erscheinen, aber jeder Preis drückt neben der Wertschätzung ein Interesse an der Forschung aus – und weckt neues Interesse. Und das bedeutet neue öffentliche Förderung oder Drittmittel für neue Projekte.

Davon profitiert die nächste Wissenschaftler-Generation. Und ganz nebenbei sind alle Preise gut dotiert. Die Preisträger können sozusagen in Steine und Beine investieren: Zusätzliches Personal und moderne Maschinen, wie sie in der Industrie Standard sind, passen sonst in vielen wissenschaftlichen Disziplinen nur schwer ins Budget. Erst recht, wenn die Finanzierung der Hochschulen auf dem Prüfstand steht. Hier liegt die Nachhaltigkeit nach dem Händedruck und zu der kann man der nächsten Generation Wissenschaftler nur gratulieren. Herzlichen Glückwunsch!

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