9951184.jpg

Kommentiert: Was der Natur hilft

Ein Kommentar von Peter Pappert

Nach Wochen und Monaten harter Auseinandersetzungen ist das NRW-Jagdgesetz, das Mittwoch im Landtag verabschiedet wird, deutlich anders und aus Sicht der Jäger besser als der erste rot-grüne Entwurf.

Wie reagiert der Präsident des NRW-Jagdverbandes auf diesen Erfolg? Er bleibt bei Polemik und wirft den Grünen „Klientelgesetzgebung nach ideologischen Vorgaben“, „Arroganz und Rosstäuscherei“ vor. Das kann den Jägern nur schaden – wenn auch nicht in dem Maße wie jener perfide Kommentar des Chefredakteurs der Zeitschrift „Wild und Hund“. Der schrieb kürzlich: „1933 ließen sich die Braunen in der Krolloper ermächtigen, was das Ende jeglicher politischer Diskussion, Toleranz und Demokratie bedeutete. Jetzt lassen sich die Grünen ermächtigen.“

So werden Diskussionen vergiftet. Das wäre Günther Plum, dem Vorsitzenden der Kreisjägerschaft Aachen, nicht passiert. Er legt Wert auf gegenseitigen Respekt und Gedankenaustausch. Er macht den Grünen deutliche Vorwürfe, aber er ist dabei selbstkritisch, sieht gesellschaftliche Veränderungen, denen auch die Jäger Rechnung tragen müssten. „Wir sehen manches anders als früher, schauen genauer hin. Die Vorstellung von den dickbäuchigen, Gamsbart tragenden Jägern ist überholt.“

Im Gespräch mit Günther Plum und dem Aachener Grünen Reiner Priggen erfährt man viel über die Jagd: Auf Geduld mit der Natur und guten Überblick kommt es an, wenn man sich um Fauna und Flora kümmert. Deshalb ist es sinnvoll, dass Reviere groß und über Jahre in derselben Hand sind. Nur wer über eine längere Zeit Verantwortung für ein Revier trägt, hat Interesse an der Hege und nicht an kurzfristigem Abschuss von Wild. Wohltuende Sachlichkeit.

Schreckliche Polemiken auf der anderen Seite: Umweltverbände betreiben Käseglocken-Naturschutz, Jäger ballern wild in der Gegend rum, die Grünen sind Ideologen, und die Landwirte machen die ganze Landschaft platt. Wer solchermaßen auftritt, tut seiner Sache keinen Gefallen. Der Jäger Günther Plum ärgert sich über Vorurteile, denen sich Jäger gegenüber sehen. Die sind so hartnäckig, weil auf allen(!) Seiten manche nicht von ihren Feindbildern lassen wollen.

Der Hauptgrund dafür, dass solche Klischees überhaupt wirken können, ist aber ein anderer: Unkenntnis. Das Wissen in der gesamten Breite der Gesellschaft über die Tier- und Pflanzenwelt, über das Leben in der Natur ist gering; es ist von Generation zu Generation deutlich zurückgegangen. Viele Zwölfjährige finden sich ohne Probleme in den letzten Verästelungen der Fantasiewelt von „World of Warcraft“ zurecht, können aber nicht einen Vogel beim Namen nennen. Wie und wo welche Tiere leben, was und warum hier oder dort wächst oder nicht (mehr) wächst, was sich in den Wäldern und auf den Feldern tut, ist den meisten Zeitgenossen – Alten und Jungen – unbekannt oder egal.

Die sich dort kümmern, sollten sich bei allen unterschiedlichen Anliegen und Standpunkten nicht gegeneinander ausspielen lassen oder ineinander verbeißen. Es geht nicht darum, Differenzen unter den Teppich zu kehren, sondern Vorurteile zu überwinden, Eigenheiten der Anderen zu akzeptieren, Berührungsängste abzubauen, Kräfte zu bündeln.

Wenn Fauna und Flora hierzulande vor Kraft und Anmut strotzen würden, könnten sich ihre Freunde munter bekriegen. Die Natur ist aber nicht so gesund; und es gibt zu viele Menschen, die keinen Respekt vor ihr haben. Umweltverbände, Jäger, Grüne und Landwirte haben verschiedene Interessen, aber im Grunde geht es ihnen um eine gemeinsame Sache: gut zu leben mit und von der Natur und – nicht zuletzt – deren Schönheit zu erkennen und zu genießen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert