15438884.jpg

Kommentiert: Warum sich das Auto dem Alltag anpassen soll

Ein Kommentar von Sarah-Lena Gombert

Na prima. Bundestag und Bundesrat haben beschlossen, die Strafen für Daddeln am Steuer zu erhöhen. Wer beim Telefonieren, E-Mails checken oder beim Schreiben einer Whatsapp-Nachricht erwischt wird, muss tiefer in die Tasche greifen.

Bei Verstößen gegen das sogenannte Handyverbot werden 100 Euro statt 60 Euro fällig. Dazu kommt ein Punkt im Verkehrszentralregister Flensburg. Die neue Regelung gilt auch für Tablets und Laptops. Die Geräte dürfen ebenso wie das Smartphone nur noch genutzt werden, wenn man sie nicht halten muss und sie über Sprachsteuerung und Vorlesefunktion verfügen.

Der Ansatz ist ebenso nett wie nutzlos: Wer bisher die Finger nicht vom Handy lassen konnte, den werden auch künftig zusätzliche lächerliche 40 Euro oder ein Punkt in Flensburg nicht davon abhalten. So meldet das Polizeipräsidium Aachen alleine für das Jahr 2016 mehr als 2700 Verstöße gegen das Handyverbot am Steuer.

Die Dunkelziffer möchte man gar nicht kennen. Zur Erinnerung: Wer innerorts bei angepasster Geschwindigkeit nur zwei Sekunden aufs Handy blickt, legt 30 Meter im Blindflug zurück. Warum ist das so vielen egal?

Ein Problem liegt darin, dass das Smartphone so sehr zum Teil des Alltags geworden ist, dass man auch im Auto ungern darauf verzichtet. Alle zehn Minuten nachgucken, ob jemand etwas Lustiges bei Facebook gepostet hat: warum nicht? Ein Selfie mit der neuen Frisur an die Freunde schicken: wieso nicht im Auto?

Ein weiteres Problem ist die Werbeindustrie, die die Konsumenten auf den großen Plakaten entlang der Straßen und Autobahnen per QR-Code ins Netz schickt. Und in gewisser Weise gehören auch die Radiosender zum Problem: Rufen Sie im Studio an! Schicken Sie uns ein Foto! Sehen Sie das Video dazu auf unserer App!

Die Strafen für Handynutzung am Steuer sind immer noch viel zu gering, Aber warum sind entsprechende technische Anlagen in Autos und Lastwagen, die nicht nur das Telefonieren ermöglichen, sondern mir meine E-Mails gleich vorlesen, nicht längst Standard, ähnlich einem Airbag? Der Alltag wird nun einmal digitaler – das sollte auch für das Autofahren gelten.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert