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Kommentiert: Viele tragen Schuld

Ein Kommentar von Christoph Pauli

Der Schlussstrich! Strafrechtlich ist der tiefe Fall Alemannia Aachens in ein paar Stunden abgeschlossen, wenn das Urteil gegen Frithjof Kraemer rechtskräftig wird.

Dazu wird es kommen, die Strafe ist das Ergebnis eines Deals zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Alemannias ehemaliger Geschäftsführer wird vorbestraft und um einige zehntausend Euro ärmer sein. An der Berechtigung der milden Strafe gibt es keine Zweifel. Der Kaufmann hat Gelder zwischen den Konten hin- und hergeschoben, um die drohende Zahlungsunfähigkeit zu verhindern. Das Motiv war erkennbar gutartig, schützt ihn deswegen aber nicht vor Strafe.

Moralische Verantwortung

Es ist das Ende eines langen Ermittlungsverfahrens, an dessen Ende Kraemer letztlich nur noch eine Verfehlung „von geringer strafrechtlicher Relevanz“ nachgewiesen wurde. So hat es am Mittwoch der Vorsitzende der Wirtschaftsstrafkammer formuliert. Im Laufe der Zeit ist die Anklage immer weiter zusammengeschrumpft. Kraemer sieht sich dennoch als „Bauernopfer“, weil nur er am Ende verurteilt wird. Die Ermittler dagegen hatten keine verwertbaren Erkenntnisse, dass auch andere ehemalige Hauptdarsteller auf die Anklagebank gehörten.

Strafrechtlich muss man das so akzeptieren, es ändert aber nichts an der moralischen Verantwortung. Viele Männer sind angetreten in den letzten Jahren, um den Verein zukunftsfähig zu machen. Letztlich haben sie Alemannia aber nahezu in der Bedeutungslosigkeit versenkt. Der Verein ist in der Regionalliga gestrandet, befindet sich gerade wieder in einem Insolvenzverfahren. Ein Fehlereingeständnis ist in all den Jahren ausgeblieben. Die ehemaligen Funktionäre und Geschäftsführer machen den ausbleibenden sportlichen Erfolg für das Dilemma verantwortlich. Die sportlich Zuständigen verweisen immer gerne auf die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten. So bequem lässt sich die Vergangenheit interpretieren.

Alemannia wurde mit der Herkulesaufgabe in die Knie gezwungen, den Stadionneubau aus eigener Kraft zu stemmen. So nahm der Irrsinn seinen Lauf, den niemand stoppen konnte. Inzwischen hat der Verein nicht mal mehr eine zweite Mannschaft, bei Auswärtsfahrten muss gefeilscht werden, ob noch eine Portion Nudeln für die Spieler gereicht werden kann. Es ist ein beispielloser Niedergang, der nun strafrechtlich als aufgearbeitet gilt.

Ein abschreckendes Beispiel dafür, wie man sich an einem Verein mit besten Absichten versündigen kann. Kraemer ist verurteilt worden, aber Schuld am Untergang der Alemannia vermutlich für viele Jahrzehnte tragen viele.

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