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Kommentiert: Vertrauen? Fehlanzeige!

Ein Kommentar von Christoph Pauli

In der Nacht vor der entscheidenden Abstimmung über die WM 2006 erhielten die 24 Wahlmänner in ihren Hotels ein unmoralisches Angebot.

Ein Schwarzwälder Schinken und eine original Kuckucks-Uhr wurden den Fifa-Funktionären bei entsprechendem Votum in Aussicht gestellt. Das war damals nur ein kleiner Scherz der Satire-Zeitung „Titanic“. Zugegriffen hat niemand – so ist der derzeitige Stand der Forschung.

Die aktuelle Berichterstattung erhärtet den Verdacht, dass einzelne Funktionäre durchaus empfänglich waren für handfestere Beträge. War dieses Sommermärchen 2006 am Ende nur eine gekaufte Veranstaltung? Floss auch bei diesem Turnier Geld in dunkle Kanäle? Nahezu alle Fifa-Veranstaltungen von Wert sind in den vergangenen Jahren unter zweifelhaften Bedingungen vergeben worden.

Zuverlässig umgibt den Weltfußballverband der Verdacht, dass es eine Gruppe von Schwarzgeld-Gebern und Schwarzgeld-Nehmern gibt. Es mehren sich die Indizien, dass auch bei der WM 2006 einige Funktionäre durchaus „überzeugt“ wurden, das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen.

Wem kann man in der Welt des Fußballs noch trauen? Wo sitzen die Idealisten, die sich aus Liebe zum Sport engagieren? Diese Spezies scheint immer rarer zu werden, je wichtiger die Posten in den Verbänden werden. Nicht jeder – das ist längst belegt – ist immun für die süßen Verlockungen und lässt sich in der Konsequenz schnöde kaufen.

Aktuell sucht die Fifa einen neuen Präsidenten, auch bei der Uefa wird in absehbarer Zeit die wichtigste Planstelle frei. Und es ist nicht nur Spekulation, dass beim weltgrößten Sportverband nicht jeder Funktionär die heraufziehende Krise überstehen wird. Der DFB hielt sich seit Wochen mit Kritik an einem Fifa-System, das irreparabel korrumpiert ist, weitgehend zurück. Offenbar gab es für diese vornehme Zurückhaltung der deutschen Funktionäre schlechte Gründe.

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