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Kommentiert: Verbindliche Empfehlung der Grundschule sinnvoll

Ein Kommentar von Claudia Schweda

162 Kinder im Raum Aachen, Düren und Heinsberg sind im vorigen Schuljahr vom Gymnasium in eine andere Schulform gewechselt. Absolut gesehen keine große Zahl.

Aber hinter der Zahl stecken 162 kleine Menschen, die ihre Schullaufbahn fortsetzen mit dem Gefühl, schon einmal gescheitert zu sein. Scheitern kommt im Leben vor. Und ganz ausschließen kann man eine falsche Schulwahl sicher nicht. Aber warum sollte man dieses Gefühl nicht so vielen Kindern wie möglich ersparen, wenn es doch einen Mechanismus dafür gibt, der gezeigt hat, das er wirkt? Die verbindliche Empfehlung durch die Grundschule, in welche Schulform ein Schüler nach der vierten Klasse wechseln sollte, war sinnvoll und sollte wieder eingeführt werden.

In Aachen zum Beispiel mussten im vorigen Schuljahr 54 Kinder das Gymnasium verlassen. 24 mehr als noch 2011, als Kinder in die siebte Klasse kamen, für die die Grundschulempfehlung noch bindend war. In Wegberg und Baesweiler waren es 2011 nur vier statt elf im vorigen Jahr. Diese Liste könnte man beliebig fortsetzen. Sie zeigt, dass der Elternwille häufiger falsch liegt als die pädagogischen Profis. Denn Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Und der beste Abschluss ist das Abitur.

Die Gymnasien selbst haben wenig Interesse daran, die Eltern in ihrem Drang zum Abitur zu bremsen. Sie fürchten in der inzwischen extrem ausdifferenzierten Schullandschaft in NRW schlicht um ihre Größe, manchmal sogar um ihre Existenz. Das Abitur ist aber nicht immer der beste Ausbildungsweg. Die Grundschullehrerin weiß am Ende am besten, welcher Lerntyp das Kind ist – also wie es den Schulalltag in den vergangenen vier Jahren gemeistert hat und in welcher Lernumgebung es sich am besten weiterentwickeln wird.

Am Ende wird es beim Schulwechsel immer Zweifelsfälle geben. Diesen Kindern sollte aber eine Prüfungssituation erspart bleiben, wie es sie schon einmal gab. Bis 2010 mussten die Kinder, bei denen eine Gymnasialempfehlung unklar war, einen Probeunterricht bestehen. Wer jemals am Tag des Probeunterrichts eine Schule betreten hat, hat den Druck gespürt, der auf diesen Kindern lastete. Für diese Zweifelsfälle ist die Erprobungsphase am Gymnasium erfunden worden. In diesen zwei Jahren wird sich in Ruhe erweisen, wer Recht hat: Eltern oder Lehrer.

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