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Kommentiert: Und sie lesen noch!

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Kinder sind immer für eine Überraschung gut. In dem Fall trifft das besonders zu. Denn das Ergebnis der Kinder-Medien-Studie 2017 ist nichts anderes als eine faustdicke Überraschung.

Oder hätten Sie gedacht, dass das Lesen von Büchern und Zeitschriften bei Kindern trotz der Konkurrenz von Smartphone und Internet immer noch erstaunlich hoch im Kurs steht?Die Vorstellung, wonach Kinder den lieben langen Tag nur noch vor der Glotze hängen, sich an Youtube-Filmchen ergötzen oder über Displays wischen scheint jedenfalls deutlich überzogen zu sein.

„Trotz Smartphone: Kinder lesen klassisch!“ Die Überschrift über der entsprechenden Pressemitteilung, mit der die Studie beworben wird, klingt allerdings viel zu schön, um wahr zu sein. Zu dick aufgetragen ist sie allemal. Es waren sechs große deutsche Verlage, die die Studie in Auftrag gegeben haben – darunter der Spiegel-Verlag, der Zeit-Verlag und Gruner+ Jahr. Und alle sechs bedienen mit klassischen Print-Publikationen auch das Kindersegment (u.a. „Leo“, „Dein Spiegel“, „Geolino“, „Geo mini“).

Die Botschaft ist klar: Das gedruckte Wort hat bei Kindern seinen Reiz noch nicht verloren.Klar ist aber auch, dass sich diese Botschaft in erster Linie an die werbetreibende Wirtschaft richtet, lassen sich mit derart positiven Ergebnissen die eigenen Produkte doch besonders gut vermarkten. Insofern sollte man die Ergebnisse der Studie mit einer gewissen Vorsicht zur Kenntnis nehmen.

Die meisten Kinder spielen laut der Studie übrigens nach wie vor am liebsten mit ihren Freunden im Freien oder unternehmen gemeinsam etwas mit der Familie. Langeweile kommt da ganz bestimmt nicht auf! Womit sich der Kreis schließt. Denn Langeweile ist der Hauptgrund dafür, warum Kinder und Jugendliche überhaupt elektronische Medien nutzen. Das haben Studien ergeben. Die wären gar nicht nötig gewesen. Manchmal reicht der normale Menschenverstand.

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