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Kommentiert: Umsicht statt Angst

Ein Kommentar von Peter Pappert

Fanatiker, eiskalte Killer, die Attentate planen und durchführen, benötigen keine Flüchtlingstrecks, um in europäische Metropolen zu gelangen.

Sie kommen so oder so überall hin, sind oft genug längst da, finden allenthalben Unterstützung bei anderen Fundamentalisten, bereiten sich an Ort und Stelle auf ihre Taten vor. Sie sind zudem deshalb kaum zu stoppen, weil sie ohne weiteres das eigene Leben einsetzen.

Mittlerweile warnen auch die Achtsamen in der CSU davor, eine Verbindung von Fluchtbewegung und islamistischem Terror herzustellen, geschweige denn, Asylbewerber pauschal zu verdächtigen. Allerdings darf sich niemand Illusionen hingeben, in wie vielen Köpfen hierzulande entsprechende Schlüsse kurz und bedenkenlos gezogen werden. Dahinter steckt oft gar kein politisches Kalkül, sondern schlicht Angst. Neue und alte Feindbilder schüren diese Angst und verhindern genau das, was jetzt gebraucht wird: Respekt, Verständnis, Miteinander, Inte-gration.

Es gilt also, Misstrauen ab- und Vertrauen aufzubauen. Das gelingt am besten, wenn diejenigen, gegen die sich Argwohn richtet, zu erkennen geben, dass sie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit akzeptieren und leben, dass sie die Werte des Westens und der hiesigen Verfassungen achten und bestenfalls als ihre Werte schätzen, dass sie gleiche Rechte für Männer und Frauen wünschen, dass ihnen religiöse Maßgaben nicht mehr bedeuten als staatliche Gesetze.

Es darf nicht sein, dass Hassprediger oder andere moslemische Fundamentalisten in europäischen Staaten gegen westlichen Lebensstil, gegen Freizügigkeit, Juden, Israel oder Homosexuelle hetzen und agitieren.

So wichtig der Kampf gegen den IS im Nahen und Mittleren Osten ist, Terroristen und deren ideologische Wegbereiter müssen auch hierzulande unschädlich gemacht werden. Sie haben hier nichts zu suchen.

Warum Deutschland von Attentaten wie jetzt wieder in Paris bislang verschont wurde, lässt sich nicht konkret beantworten. Aber jeder kann sich ziemlich leicht ausdenken, wie sich Stimmung und Debatten verändern würden, sollte es hierzulande ein derartiges Massaker geben.

Man kann das, was Europa erlebt, Krieg nennen; man muss es nicht. Wer darüber spricht, befindet sich in der Regel nicht in einem völkerrechtlichen oder politologischen Seminar. Der Begriff Krieg signalisiert, dass es sich nicht nur um ein grausames Verbrechen und nicht um jene Form des Terrors handelt, dem sich die Bundesrepublik in den 70er Jahren ausgesetzt sah, sondern dass dieser Angriff auf den Westen und dessen Ideale umfassender ist.

Man wird einwenden, dass der IS genau das beabsichtigt: Krieg! Jede Radikalisierung – egal auf welcher Seite – ist im Sinne der Islamisten. Der IS will junge Muslime in Europa fanatisieren. Das gelingt am besten, wenn die sich ausgegrenzt fühlen und von ihren Familien abgeschnitten bleiben. Das heißt: Die Verantwortlichen auf allen Ebenen müssen klug, umsichtig und entschlossen handeln – rücksichtslos gegen intolerante Hetzer und gewaltbereite Fanatiker.

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