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Kommentiert: Uli Hoeneß - armer reicher Mann

Ein Kommentar von Bernd Büttgens

Verzockt. Uli Hoeneß muss für drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter! Das ist ein Paukenschlag.

Das Münchener Landgericht II fällt damit ein klares Urteil: Nein, die Selbstanzeige war nicht vollständig und wirksam. Ja, die ins Schwindelerregende wachsende Höhe der Steuerhinterziehung hat Auswirkungen auf das Urteil. Hier sprechen wir nicht mehr von einem kleinen Steuerbetrüger aus der Mitte der Gesellschaft. Hier darf von einem richtig dicken Fisch und einer gravierenden kriminellen Energie gesprochen werden. Von einem schweren Fall eben.

Das war fraglos kein leichter Job für Richter Heindl und sein Gericht, Respekt vor diesem Urteilsspruch, gegen den Hoeneß natürlich in die Revision gehen wird, der aber zunächst einmal steht und heftige Wirkung zeigt.

Hoeneß, der große Uli Hoeneß, der Mega-Manager, der Überflieger, hat ausgespielt. Als Privatmann wohlgemerkt. Das Verfahren hat nichts mit seiner professionellen Leistung als Sportmanager zu tun. Hat nichts zu tun mit seiner Lebensleistung, die den FC Bayern München an die Weltspitze geführt hat. Es hat auch nichts zu tun mit seiner Großzügigkeit, seiner sozialen Ader. Man muss das sauber auseinanderhalten.

Das Verfahren hat allerdings viel zu tun mit einer bemitleidenswerten Persönlichkeit, die moralisch,  oder wie er selbst sagt, „ethisch“ komplett versagt hat. Verdienste – geschäftliche wie soziale – können nicht gegen diese kriminellen Verfehlungen aufgerechnet werden. Sie rechtfertigen auch das hinterhältige Handeln nicht. Hoeneß hat die Summe von 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen.

Seinem FC Bayern hätte er einen großen Gefallen getan, wenn er seine Ämter hätte ruhen lassen. Das hätte Distanz hergestellt. Doch zu so viel Größe reichte es wohl nicht. Am Ende war das Bewusstsein, dass er rechtens gehandelt hat, tatsächlich zu stark ausgeprägt. Realitätsverlust nennt man das dann.

Neben der juristisch und faktisch bewerteten Schwere der Straftat hat Uli Hoeneß ein gravierendes   persönliches Problem mit seiner Zockerei. Und das mündet in seiner schrillen Rechtsauffassung.  Es ist am Ende das Verhalten eines Mannes, der seine eigene Gerechtigkeit definiert hat. Und der in Sphären schwebt, die fern jeglicher Bodenhaftung sind.

 Bedauernswert der Mann, der so viel erreicht hat, der solch gute Reputation hatte, der die Millionen auf seinen Konten hortete und dem eine ordentliche Steuermoral keinen Schmerz zugefügt hätte.

So bleibt nur das: ein armer reicher Mann.

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