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Kommentiert: Tückische Krankheit

Ein Kommentar von Sabine Rother

Ein beachtlicher Schritt: Mit dem G8-Gipfel Demenz in London wird einem Problem Raum gegeben, das viele weit von sich schieben, so lange es andere Familien, andere Väter oder Mütter trifft.

 Vielfach bewundern wir in sensibel gestalteten Fernsehdokumentationen tapfere Ehemänner oder Ehefrauen – selbst schon im fortgeschrittenen Alter –, die in partnerschaftlicher Treue ausharrten. Wir hören von Prominenten, die es trifft. Ist ja weit weg – oder doch nicht? Angst und Hilflosigkeit führen dazu, dass Geschäftemacher ihre Pillen und Gehirnjogging-Bücher gegen Demenz verkaufen können. Aber die Angst ist kein guter Ratgeber. Es kann uns alle treffen, ob wir gesund leben oder nicht.

Das Dorf der Dementen in den Niederlanden erscheint da wie eine schöne Insel, von der man nur träumen kann – so ein bisschen wie das „Auenland“ in Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Doch bei aller Anerkennung: Das kann es nicht sein. Der Niedergang der Gehirnzellen ist eine tückische Krankheit, deren Ursachen noch immer nicht bekannt sind. Die Forschung arbeitet fieberhaft. Sie muss verstärkt gefördert werden und im internationalen Austausch arbeiten. Die Pflegenden brauchen dringend Qualifikation und Beistand. Nicht jeder kann es sich leisten, hohe Unterbringungskosten zu tragen. Das Verstehen jener Menschen, die meist kein „glückliches Vergessen“ erleben, sondern in eine beängstigende, dunkle Irritation geraten, ist wichtig. Wie passe ich unser Alltagstempo der noch vorhandenen Kompetenz meines Gegenübers an? Was weiß ich über den Betroffenen, über sein Leben? Manchmal ist es gar nicht so schwer, suchende Hände zu beschäftigen, das Buch mit den Liedern aus Kinder- und Jugendzeit herauszuholen oder ein Bewegungsprogramm zu erlernen. Das verlangt ein zeitiges Hinschauen. Menschen mit Demenz im Krankenhaus, vielleicht bei einem harmlosen Eingriff – sie geraten in Panik, brauchen andere Betreuung, reagieren häufig unerwartet auf Narkosen und Medikamente.

Menschen mit Demenz auf der Straße, orientierungslos – die Polizei ist ohnehin schon überfordert. Und Passanten machen einen großen Bogen, wenn jemand anders und verwirrt wirkt. Wenn der G8-Gipfel erreicht, dass demente Menschen in unserer Gesellschaft „ankommen“, wäre schon etwas gewonnen.

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