Kommentiert: Trumps große Bühne

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Kommentiert: Trumps große Bühne

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

Der Handelskrieger aus dem Weißen Haus hat mit einem Tweet den Gipfel an die Wand gefahren und vielleicht die G7 für immer beendet. Das passt zu der nicht zufälligen, sondern vorsätzlichen Dramaturgie Donald Trumps.

Was wie eine bescheuerte Willkür eines Hasardeurs aussieht, ist geplante Bösartigkeit. Trump verschickt seine Twitter-Botschaft hoch über den Wolken aus einer „Air Force One“ und stattet dieses neue Kapitel seiner präsidialen Oper so mit eindeutigen Bühnenbildern aus: Er fliegt über allen anderen – und das mit düsenartiger Geschwindigkeit. Wer erwartet von diesem Kraftprotz noch etwas Anderes? Schauen wir uns unter diesem Aspekt einige „Partner“ Trumps in der G7-„Gemeinschaft“ an:  Macrons Rohrkrepierer  Da ist zunächst Emmanuel Macron. Er hatte geglaubt, in der persönlichen Begegnung mit Trump auf die kumpelhafte Art Punkte im transatlantischen Anbiederungs-Wettbewerb zu ergattern und die inhaltliche Kritik auf seine Rede im Kongress zu beschränken. Das hat sich für den Franzosen als Rohrkrepierer entpuppt. Als Mini-Rache verkündet er per Twitter, „es macht uns nichts aus, eine Vereinbarung von sechs Ländern zu unterzeichnen“. Das geschieht vor dem Gipfel, hat also Trump-Niveau. 

Justin Trudeau, immerhin Gastgeber, kann die Finger ebenfalls nicht vom Smartphone lassen und streitet sich per Twitter mit Trump. Auch vorher.  Giuseppe Conte begrüßt freudig Trumps selbstverständlich vor dem Gipfel veröffentlichten Vorschlag, Russland wieder in die Gruppe der Wirtschaftsmächte aufzunehmen. Während des Gipfels sagt der Italiener, das solle natürlich nicht „über Nacht“ geschehen. Da freuen wir uns über einen weiteren meinungsstarken und verlässlichen Partner!  Und die Kanzlerin? Sie twittert nicht. Sie pöbelt nicht. Sie nimmt zur Kenntnis. Man darf an ihre erste Reaktion nach Trumps Wahl erinnern. Da hat Angela Merkel die Voraussetzung für eine enge Zusammenarbeit mit ihm präzise formuliert: „Auf der Basis gemeinsamer Werte wie Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der Würde anderer.“ Was damals als voreilig und vorlaut kritisiert wurde, hat sich als die einzige Umgangsform mit dem Zerstörer aus Washington erwiesen. 

Formate wie die G7 haben mit solchen Despoten, Schauspielern und Einzelkämpfern keine Zukunft mehr. Der Westen zerlegt sich in dieser „Gemeinschaft“ selber. Ein konkretes Beispiel des G7-Gipfels: Beim Thema Plastikmüll scherte neben den USA auch Japan aus – da waren es nur noch fünf.  Deutschland als Hauptfeind

Die Gruppen-Fotos mit Trump strahlen seinerseits nur Geringschätzung aus. Er nimmt Europa nicht ernst und sieht die Wirtschaftsmacht Deutschland als Hauptfeind. Wladimir Putin hat gut lachen: Der Russe nennt den G7-Gipfel „Gelaber“, nimmt parallel in China am Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit teil und schlägt ein Treffen mit Trump vor. Braucht die EU noch einen Weckruf?

 

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