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Kommentiert: Trump und die Geburt eines neuen Jahrtausends

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

USA, USA, USA: Amerika zuerst. Das alleine war Trumps Botschaft. Es geschah in einer Art und Weise, die, pardon, nur abstoßend war.

Mit erhobenem Zeigefinger, großspurigen Formulierungen, lauten Parolen und allzu billigem Pathos. Das war eine tumbe Wahlkampfrede, sonst nichts, unwürdig für einen amerikanischen Präsidenten.

Man wäre so gerne bereit abzuwarten, ehe man zu Urteilen kommt. Ja, man würde sich gerne geduldig darauf einlassen, bald etwas Konkretes zu erfahren über seine außenpolitischen Perspektiven, über seinen politischen Deal mit Putin, über seinen Umgang mit Europa. Was ist mit Syrien, was mit Nahost? Man würde aber wenigstens jetzt schon zu gerne spüren, dass Trump nur ansatzweise zeigt, welche Reife für dieses Amt er tatsächlich hat.

Der erste Tag in seinem Amt hat dafür nicht den kleinsten Hinweis gegeben, im Gegenteil. Trump hat wiederholt, was ihm im Wahlkampf und im Interview mit einem deutschen Boulevard-Journalisten und einem britischen Brexit-Befürworter wichtig war: USA, USA, USA. Die Rechten formulieren das hierzulande so: Deutschland den Deutschen.

Die Sprache macht die Musik, und bei Donald Trump war sie nationalistisch, populistisch, egoistisch und in nahezu allen Passagen eine substanzlose, kraftmeierische Worthülse. Das hörte sich dann so an: euer Tag, eure Feier, euer Land, neue Visionen, von jetzt an wird es nur noch heißen: Amerika an erster Stelle. Grenzen schützen vor denen, die den USA die Arbeitsplätze stehlen, Amerika wird auf der Gewinnerseite sein wie nie zuvor. Kauft amerikanisch! Stellt amerikanische Arbeiter ein! Wir werden weltweit mit unserem Lebensstil als Beispiel leuchten. Wir werden geschützt sein von Gott. Amerika ist nicht zu stoppen, nicht aufzuhalten. Keine Herausforderung ist zu groß für den kämpferischen Geist der USA. Wir erleben die Geburt eines neues Jahrtausends. Ihr werdet Teil einer historischen Bewegung werden, wie die Welt sie noch nie erlebt hat.

Geht es eine Nummer kleiner, Mr. President? Weniger angeberisch, weniger polemisch?

Er hat keine Lösungen für internationale Zusammenarbeit, auch da ist die Sprache aggressiv, in Passagen regelrecht feindselig. Dieser Anfang war zudem eine Beleidigung für Obama und Trumps Republikaner, die in den letzten Jahren die USA regiert haben. Wer Trumps Worte hörte, muss annehmen, die USA seien zu einer abrissreifen Ansammlung von Schrott, zu einer Ruine degeneriert.

Trump warf Obamas Politik mal eben in die Mülltonne der amerikanischen Geschichte, als wäre das lediglich ein Fliegenschiss der jüngeren Vergangenheit. Trump hätte bei der Lesung aus dem Evangelium besser zuhören sollen: „Die Bescheidenen werden die Erben der Erde sein.“

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