Kommentiert: Trügerisches Signal

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Kommentiert: Trügerisches Signal

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Nun also doch: Der ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt darf zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland reisen. Das ist insofern bemerkenswert, als man derart viel Gnade im Umgang mit Staatsfeinden von russischer Seite nicht gewohnt ist.

 Und nichts anderes als ein Feind des Staates ist Seppelt, der mit seinen Recherchen das systematische Doping im Reich des Wladimir Putin vor den Augen aller Welt offengelegt hat. Am Ende ist es aber wohl weniger Gnade, sondern vielmehr eine gehörige Portion Respekt, die in Moskau zum Umdenken geführt hat. Wer weiß, was Seppelt noch weiß? Weitere Enthüllungen im Vorfeld der WM kämen zur Unzeit.

Der Fall zeigt aber auch, dass sich selbst Putin sehr gut überlegen muss, wie weit er es treibt. In Krisenzeiten wie diesen wird er ein Interesse daran haben, sein Land vor den Augen der Weltöffenlichkeit gut dastehen zu lassen. Zwar ist bekannt, dass es Pressefreiheit in Russland nicht gibt. Und doch wird Putin auf der großen Bühne nichts unversucht lassen, sich als ein weltoffener Gastgeber zu präsentieren.

Störfeuer wie die Diskussion um einen unerwünschten Journalisten, kann Putin während der WM nicht gebrauchen. Vor allem deshalb darf Seppelt einreisen. Gut möglich, dass er unmittelbar nach dem Schlusspfiff im Finale des Landes verwiesen wird. Machen wir uns nichts vor: Ist die WM erst vorbei, kehrt die Realität nach Russland zurück. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

 

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