Kommentiert: Trittbrett Salafismus

Whatsapp Freisteller
8800899.jpg

Kommentiert: Trittbrett Salafismus

Ein Kommentar von Amien Idries

Man müsste schmunzeln, wenn die Geschehnisse von Köln nicht so traurig wären. Da stilisiert sich ausgerechnet ein rechtsextremer Mob zum Beschützer gegen den islamistischen Salafismus und den Islamischen Staat (IS).

An der rechtsextremen Grundausrichtung der Veranstaltung „Hooligans gegen Salafismus“ kann es angesichts von Flaggen des „vierten Reichs“, Hitlergrüßen und Sprechchören wie „Hier marschiert der nationale Widerstand“ keinen Zweifel geben, und so protestierten in Köln Extremisten gegen Extremisten. Zumindest auf den ersten Blick.

Auf den zweiten Blick stellt sich heraus, dass das, was am Sonntag in Köln passiert ist, keine Demonstration gegen Salafismus war, sondern ein breit angelegter Protest von Islam- und Ausländerfeinden jeglicher Couleur, die das Feindbild Salafismus zur Mobilisierung für ihre Sache genutzt haben. Zu den rechtsex­tremen Hooligans – wie etwa der Borussenfront aus Dortmund um die Szenegröße SS-Siggi – gesellten sich politisch weniger aktive Hools, deren Weltbild man als „rechtsoffen“ bezeichnen muss. Hinzu kamen rechtsextreme und islamophobe Parteien wie die NPD, Die Rechte, ProNRW und Die Freiheit, die bereits die bloße Existenz des Islams als Gefährdung Deutschlands betrachten.

Fußballfanszene diskreditiert

Hier zeigt sich auch das Grundproblem in der Auseinandersetzung um IS und Islamisten. In aufgeregten und konfliktreichen Zeiten wie den unseren fällt das Differenzieren schwer. Vor dem Hintergrund exekutierender IS-Kämpfer in Syrien und dem Nordirak gerät der Islam zunehmend in Verdacht, per se mörderisch zu sein und allen anderen Religionen verachtend gegenüberzustehen. Je komplizierter die Gemengelage aus Kurden, Jesiden, Sunniten und Schiiten im Nahen Osten und die Auseinandersetzungen von Tschetschenen, Salafisten und Kurden in deutschen Innenstädten, desto größer das Bedürfnis nach einfachen Wahrheiten. Deshalb verfängt die Losung von der Islamisierung Deutschlands und Europas, der man sich mutig entgegenstellen müsse, immer mehr. Übrigens nicht nur bei gewaltbereiten Hooligans.

Wer trotz aufgeheizter Stimmung zur Differenzierung bereit ist, muss zunächst den Unterschied zwischen Islam und Islamismus akzeptieren. Schätzungen zufolge leben vier Millionen Muslime in Deutschland. Die Zahl der Salafisten – Anhänger einer ultrakonservativen Strömung im Islam – gibt der Verfassungsschutz mit 6300 an, von denen wiederum nur ein kleiner Prozentsatz gewaltbereit ist. Auch wenn die Salafisten-Zahl wohl steigt, muss man die Relation zur großen Mehrheit der Muslime sehen, die die freiheitlich demokratische Grundordnung dieses Landes anerkennen und schätzen.

Und noch in einem zweiten Punkt tut Differenzierung Not. Mit Blick auf die Fußballfanszene. Auch die droht nun aufgrund des Hooligan-Comebacks in Gänze diskreditiert zu werden. Neben rechtsextremen Strömungen in den Stadien der Republik, gibt es nämlich auch Ultragruppierungen, die sich als gewaltfrei und antirassistisch verstehen. Dabei ist die Gemengelage durchaus kompliziert, was sich daran erkennen lässt, dass manche Fußballvereine nicht willens oder in der Lage sind, die Spreu vom Weizen zu trennen. Der MSV Duisburg, Eintracht Braunschweig oder auch die Alemannia aus Aachen haben es in der Vergangenheit versäumt, gewaltlose Ultragruppierungen zu unterstützen und stattdessen rechtsextreme Gruppen toleriert.

Es gilt also, zu differenzieren und nicht alle über einen Kamm zu scheren. Nur so wird man als liberale Gesellschaft den Extremisten geschlossen entgegentreten können. Egal, ob sie aus den Fußballstadien kommen oder die Einführung der Scharia fordern.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert