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Kommentiert: Totalschaden droht

Ein Kommentar von Rudolf Teipel

Gelber Engel oder mauschelnder Teufel? Von der Beantwortung dieser Frage hängt für den ADAC Wohl und Wehe, wenn nicht sogar Sein oder Nichtsein ab.

Die Zahlenmanipulationen bei der Mitgliederbefragung zum Lieblingsauto der Deutschen haben den Ruf des mit rund 19 Millionen Mitgliedern riesigen Automobilclubs bereits jetzt schwer ramponiert - der Heilige Gral deutscher Automobilisten hat Kratzer bekommen.

Dabei ist es völlig unerheblich, dass der VW Golf offenbar so oder so der Favorit teutonischer Fahrzeuglenker ist, egal ob rund 3400 oder 34.000 Abstimmende ihn gewählt haben. Es ist auch nicht von Belang, ob der zurückgetretene Kommunikationschef Michael Ramstetter ein von Karriere-Hybris geleiteter Alleintäter ist, oder vom ADAC-Management zum Sündenbock gestempelt wurde. Der eigentliche Skandal ist, dass im Automobil-Imperium ADAC, einem schwer durchschaubaren Konglomerat aus eingetragenem Verein, Lobby-Organisation und Konzern, offenkundig Strukturen herrschen, die die nun zu Tage getretenen Manipulationen, Betrügereien und Mauscheleien nicht nur möglich machen, sondern sogar fördern.

So etwas ist nicht nur eine Panne, es droht der Totalschaden, zumindest in der öffentlichen Meinung. Denn wie lange laufen die Manipulationen an Mitglieder-Voten schon, zwei Jahre, fünf Jahre, länger? Was ist mit anderen ADAC-Rankings, etwa den Tunnel- oder Pannenstatistiken? Derselbe Filz, dieselbe Undurchsichtigkeit? Inwieweit haben verfälschte Ergebnisse Unternehmen der Automobil- und Zulieferbranche zu Vor- oder Nachteilen verholfen? Der daraus resultierende Mix aus Misstrauen, Fassungslosigkeit und sogar Wut stürzt die Organisation in die schwerste Krise ihres Bestehens, da hätte es des Nachtretens des CSU-Granden Horst Seehofer und seines Bundesverkehrsminister-Adlatus Alexander Dobrindt, die mit dem ADAC wegen der Pkw-Maut im Clinch liegen, gar nicht bedurft.

Der Allgemeine Deutsche Automobilclub hat nun nur noch die Chance, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Durch lückenlose Aufklärung der Affäre, unnachsichtige Verfolgung eventuell Schuldiger und die Schaffung transparenter Strukturen in Verein und Konzern. Die Aufspaltung des weit verzweigten Unternehmens etwa in Pannendienst, „Motorwelt“-Redaktion und andere Geschäftsfelder wäre ein erster gangbarer Schritt.

Denn der Vertrauensverlust, den der ADAC in der Öffentlichkeit erlitten hat, ist immens. Die Reputation wiederherzustellen wird Jahre dauern. Wer bis dahin wissen will, was denn das Lieblingsauto der Deutschen ist, kann sich einer auf jeden Fall zuverlässigen Quelle bedienen – der amtlichen Zulassungsstatistik.

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