Kommentiert: Tihange ist so (un)sicher wie vor den neuen Analysen

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Kommentiert: Tihange ist so (un)sicher wie vor den neuen Analysen

Ein Kommentar von René Benden

Precursor. Das kommt aus dem Englischen und heißt „Vorläufer“, vielleicht in diesem Fall noch besser übersetzt mit dem Begriff „Vorbote“.

Wenn also innerhalb von nur drei Jahren acht Vorboten eines potenziell gefährlichen Unfallszenarios in nur einem Block des Kernkraftwerks Tihange registriert werden, ist das natürlich äußerst beunruhigend. Die ohnehin schon verunsicherte Öffentlichkeit in der Region fühlt sich neben den „Riss-Reaktoren“ Tihange 2 und Doel 3 nun plötzlich auch noch vom ältesten Tihange-Block bedroht. Doch bevor nun die nächste Alarmstufe ausgerufen wird, lohnt es sich, erst einmal Ruhe zu bewahren und Bedrohungsszenarien und Handlungsoptionen sachlich zu analysieren.

Haltbarkeit abgelaufen

Was die konkrete Bedrohung für die Region durch die belgischen Atommeiler anbelangt, hat sich die Lage durch die nun bekanntgewordenen Precursor-Analysen nicht verändert. Vielmehr verlagern sie die Aufmerksamkeit von den durch ihre Haarrisse berüchtigten Blöcke auf ein Problem, das bekannt ist, aber weniger beachtet wurde: das Alter von Tihange 1.

Aus deutscher Sicht ist die Haltbarkeit dieses Reaktors schon seit knapp drei Jahren abgelaufen. Maximal 40 Jahre sollte der Block am Netz bleiben. Der längere Betrieb eines Kernkraftreaktors birgt per se Risiken, weil es nur wenig Erfahrungswerte mit solch langen Laufzeiten gibt. Aus energiepolitischem Kalkül verfügte jedoch Belgiens Regierung, dass die Laufgenehmigung um zehn Jahre – bis 2025 – verlängert wird. Einfach so, ohne das da ein Nachbarland Einwände hätte erheben können.

Wenn also nichts Spektakuläres im guten oder auch schlechten Sinne passiert, wird es keine vorzeitige Abschaltung der Blöcke in Tihange und Doel geben. Zu sehr ist Belgien heute und auch noch auf absehbare Zeit vom Strom aus diesen Kraftwerken abhängig. Diese Ansicht mag wütend und fassungslos machen. Das ändert aber nichts daran, dass dies ein äußerst realistisches Szenario ist. Das Problem Tihange bleibt also mindestens bis 2025 erhalten.

Zu den Handlungsoptionen: Deutschland sollte auf bilateraler und EU-Ebene nun alles diplomatische Gewicht in die Waagschale werfen, um weitere Laufzeitverlängerungen zu verhindern. Denn Betreiber Engie Electrabel macht kein Geheimnis daraus, dass er in Tihange mit Laufzeiten bis weit in die 2030er Jahre liebäugelt.

Um das zu verhindern, könnte es über die EU aber nun einen realistischen Druckpunkt geben. Nämlich dann, wenn die EU über Laufzeitverlängerungen mitentscheiden könnte. Bislang ist das nicht der Fall. Allerdings ist auch in Brüssel längst angekommen, das stetige Laufzeitverlängerungen von alten Reaktoren zu einem ernsten Sicherheitsproblem werden – nicht nur in Belgien, sondern in allen EU-Ländern, die noch auf Kernenergie setzen. Den Wunsch nach mehr Mitsprache bei nationalen Planungen zu Reaktorlaufzeiten gibt es in Brüssel längst. Er muss nun gefördert und gesetzlich verankert werden.

Öffentlicher Druck

Gleichzeitig ist es wichtig, dass der öffentliche Druck, der vor allem aus der Region auf die belgischen Behörden und Kraftwerkbetreiber ausgeübt wird, hoch bleibt. Denn die zunehmend genervten Reaktionen auf Anfragen zur Sicherheit von Tihange und Doel geben auch wieder, dass sich die Belgier selbst als strenge Atomkontrolleure wahrnehmen, deren Bemühungen um mehr Sicherheit in den vergangenen Jahren nicht geschätzt werden.

Ganz falsch ist diese Sicht nicht. Denn die Einführung der Precursor-Analyse im Jahr 2012 soll die Kraftwerke sicherer machen. Und sie ist nicht zuletzt eine Reaktion auf das gewachsene Interesse an der Sicherheit belgischer Kernkraftwerke.

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