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Kommentiert: Streng großzügig

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

Diese Zeitung hat seit nunmehr 30 Jahren ein Hilfswerk, einen gemeinnützigen Verein. „Menschen helfen Menschen“ hilft seit Jahrzehnten unbürokratisch in Not geratenen Menschen, unabhängig davon, woher sie stammen, welche Religionszugehörigkeit sie haben, welchen Eigenanteil sie an ihrem Schicksal haben.

Denn sehr oft geht es dabei um Kinder und ihre aktuelle Situation sowie ihre Perspektiven.

Kinder liegen uns am Herzen. Deshalb haben wir vor einigen Jahren den Vereinszweck erweitert von der Hilfe für unverschuldet in Not geratene Menschen auf jugendfördernde Projekte. Mit Prävention verhindert man oft fatale Entwicklungen, die später für unsere staatliche Gemeinschaft sehr viel teurer werden. Wir haben auf dieser Basis eine Kinder- und Jugendstudie für Aachen in Auftrag gegeben, die vom renommierten Kriminologischen Institut Hannover unter Leitung von Professor Christian Pfeiffer erstellt wurde. Auf der Basis dieser Daten können wir nun gezielt Projekte initiieren, die jungen Menschen, ihren Eltern und ihren Lehrern konkret helfen. Es werden neue Dialoge geschaffen – zwischen verschiedenen Migrationsursprüngen, zwischen Einheimischen und Angekommenen. Daran sind viele Ehrenamtliche beteiligt, von der Bürgerstiftung Lebensraum über „Aachener Hände“ bis zu grandios engagierten Einzelpersonen.

Das deutsche Finanzamt möchte in stichprobenartig ausgewählten Einzelfällen wissen, ob die Menschen, denen wir mit Spenden unserer Leserinnen und Leser helfen, überhaupt hilfsbedürftig sind. Denn wenn sie es nicht sein sollten, weil sie ein zu hohes Einkommen haben, dann wäre es keine Spende, sondern eine Schenkung. Und die müsste versteuert werden.

So viel Skepsis statt Vertrauen in die Kraft und Seriosität von Ehrenamtlichen ist in Deutschland Gesetz, deshalb darf man dem Finanzamt und seinen Sachbearbeitern keinen Vorwurf machen. Sie haben das auszuführen, was der Gesetzgeber, in diesem Fall der Bundestag, beschließt. Nun befassen wir uns intensiv mit zig Einzelnachweisen und Freistellungsbescheiden der Institutionen, mit denen wir seit 30 Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wir müssen dem deutschen Staat en détail erklären, warum wir einer Pfarre, die wie wir unbürokratisch in Not geratenen Menschen helfen will, sagen müssen, dass wir ihr nicht mehr helfen können, weil sie bestimmte Nachweise nicht zeitnah liefern kann. Oder wir müssen nachweisen, warum ein schwerstbehinderter Jugendlicher unterstützt wird, obwohl vielleicht seine geschiedenen Eltern ein Einkommen über den zulässigen Grenzen haben. Wir werden das auch in Zukunft ehrenamtlich alles erledigen, damit wir weiter sagen können: Unser Hilfswerk arbeitet ohne einen Cent Verwaltungskosten.

Warum ich das heute hier an dieser Stelle endlich einmal loswerden möchte? Weil ich mich wirklich wundere über die 4000 Euro Prämie für Elektroautos, die in die Villenviertel der Betuchten überwiesen werden. Ohne Einkommensbescheinigung. Als Subvention für unsere ach so hilfsbedürftige Boom-Branche Automobil. Dort haben gerade große Teile den Verbraucher, den Staat, die Gesellschaft mit manipulierten Abgaswerten regelrecht betrogen. Jetzt werden die Betrüger und Trickser gefördert, weil ihre Produkte so unverkäuflich sind, dass sie gesponsert werden müssen – vom Staat, der ehrenamtliche Hilfswerke auf Cent und Euro streng kontrolliert: Jetzt wissen wir wenigstens wofür.

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