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Kommentiert: Stoppt die Almosen!

Ein Kommentar von Amien Idries

Provokante These anlässlich des EU-Afrika-Gipfels gefällig? Bitteschön: Stoppt die Entwicklungshilfe!

Was auf den ersten Blick herzlos wirkt, könnte nach einer über 50-jährigen Entwicklungshilfe-Geschichte mit Zuwendungen in Höhe von mehr als zwei Billionen Dollar eine Alternative sein, über die es sich nachzudenken lohnt.

Trotz der Sonntagsreden, die in Brüssel gehalten wurden, und in denen von Partnerschaft, Kooperation und Augenhöhe die Rede war, ist das Verhältnis von Europa und Afrika nämlich vor allem das zwischen Gebern und Nehmern. Sicher, die Entwicklungshilfe hat sich verändert. Inzwischen nennt sie sich Entwicklungszusammenarbeit und soll nach dem Do-Not-Harm-Grundsatz agieren. Dennoch richtet sie Schaden an.

Asien als Vorbild

„Der auf Mitleid und Almosen basierte Ansatz der westlichen Entwicklungshilfe ist gescheitert.“ Das sagt nicht etwa ein europäischer Politiker, der sich um den heimischen Etat sorgt, sondern Dambisa Moyo, eine Ökonomin aus Sambia, in ihrem Bestseller „Dead Aid“. Wer die Situation des afrikanischen Kontinents ehrlich betrachtet, muss Moyo Recht geben. All die meist gut gemeinten und ehrenwerten Hilfen haben Afrika nicht nachhaltig zum Positiven verändert. Das wäre der Fall, wenn zumindest perspektivisch ein Ende der Hilfsnotwendigkeit abzusehen wäre.

Gemeint ist dabei übrigens nicht die Katastrophenhilfe, wie sie etwa nach dem Tsunami Haiyan auch von unserer Zeitung unterstützt wurde. Sie wird auch weiterhin sinnvoll sein. Auch das Geld von Spendenorganisationen ist nicht wirklich problematisch, weil es um relativ kleine Summen geht. In den Blick von Moyo und anderen Kritikern sind vor allem Hilfen auf Regierungsebene geraten, die im großen Maßstab ausgeschüttet werden und an denen auch in den Geberländern eine Menge Jobs hängen. Diese Hilfe fördert häufig Korruption sowie Verteilungskämpfe und behindert Eigeninitiative, weil die Auszahlung kaum an Bedingungen geknüpft ist. Zwar wird etwa von Deutschland die Auszahlung mehr und mehr an gute Regierungsführung im Empfängerland gekoppelt, dies wird aber dort häufig als Bevormundung empfunden.

Was aber soll mit den afrikanischen Staaten passieren, wenn plötzlich die Entwicklungshilfe-Milliarden wegfallen? Erstens: Niemand redet von plötzlich. Die Vorschläge sehen ein Ausschleichen über fünf bis zehn Jahre vor. Zweitens: An die Stelle der Entwicklungshilfe soll der Markt als Wirtschaftsmotor treten – Direktinvestitionen, Staatsanleihen, Außenhandel, Kleinkredite. So wie es die asiatischen Tigerstaaten vorgemacht haben. Zwar ist der Kapitalmarkt durch Exzesse und Krisen in Verruf geraten, für afrikanische Staaten auf niedrigem Entwicklungsniveau könnte er aber eine Chance darstellen.

Geld, das auf dem Finanzmarkt angeworben wird, dürfte größere Verantwortlichkeit schaffen als Entwicklungshilfe. Afrikanische Politiker sähen sich Erwartungen der Geldgeber in Sachen Stabilität gegenüber und es könnte ein System entstehen, dass Innovation und Erfindergeist fördert. Und was gute Regierungsführung und Menschenrechte angeht, so lässt sie sich vielleicht eher von innen befördern, wenn es steuerzahlende Bürger gibt, die sie von ihrer Regierung einfordern.

Fakt ist, dass der Markt bereits Einzug in Afrika gehalten hat. Paradoxerweise durch das ehemals kommunistische China, das Straßen baut, Arbeitsplätze schafft und sich dafür in Rohstoffen bezahlen lässt. Das sei Neokolonialismus, der Despoten befördere, sagen die Europäer. Mag sein. Zur Realität gehört aber auch, dass manche Afrikaner sagen, sie lebten lieber unter einem Despoten mit einem Job und einer Straße vor dem Haus als unter einem Despoten in einer Armutshölle.

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