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Kommentiert: Sprache ändern!

Ein Kommentar von Peter Pappert

Seit Samstag liegen die aktuellen Zahlen auf dem Tisch: Der Mitgliederschwund hält an. Niemand ist überrascht. Es gibt keinen Grund zur Dramatisierung und keine Lösung des Problems.

Die beiden großen deutschen Kirchen werden sich in das Unvermeidliche fügen. Weder administrative Offenheit und demokratische Struktur der protestantischen Kirche, noch deren Pluralität und Toleranz verhindern das Desinteresse der meisten ihrer Mitglieder und den Auszug vieler. Weder Franziskus noch die soziale und spirituelle Weite seiner Kirche veranlassen die Katholiken in größerem Maße, ihre (un)gläubige Gleichgültigkeit aufzugeben und sich in und mit ihrer Kirche zu engagieren.

Jene, die gehen, sind nicht verloren – im Sinne der Botschaft Jesu sowieso nicht. Viele Gläubige fühlen sich, auch ohne regelmäßig die Kirche zu besuchen, ihr und der christlichen Botschaft eng verbunden, können aber in ritualisierten Gottesdiensten für sich selbst kaum Sinnvolles oder Attraktives erkennen, fremdeln vor allem mit Sprache und Liturgie. „Fremd, antiquiert und langweilig“, nennt Aachens Bischof Helmut Dieser die Sprache seiner Kirche. Recht hat er.

„Die ‚Auftragslage‘ der Kirche ist dennoch weiterhin sehr gut. Deshalb wird sie auch in Zukunft in Verkündigung, Seelsorge und Diakonie bei den Menschen bleiben und kreativ angemessene Formen authentischen Kircheseins entwickeln.“ Diese amtskirchliche Großfloskelei muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. So reagierte allen Ernstes am Samstag der rheinische Präses Rekowski ausgerechnet auf den Mitgliederschwund. Bestimmt gut gemeint – aber wer soll sich das anhören?

Es wird schwierig, aber es ist keineswegs hoffnungslos. Vier bis fünf Millionen Katholiken und Protestanten besuchen jede Woche einen Gottesdienst. Das sind zwar nur rund zehn Prozent der Mitglieder, aber es bleibt nach wie vor eine beachtliche Volksbewegung. Weltweit gibt es keine Organisation, die mehr Mitglieder hat als die katholische Kirche. Allein der deutschen katholischen Kirche gehören knapp 24 Millionen Menschen an; sie allein ist damit schon eine der größten Mitgliederorganisationen der Welt.

Die katholische Kirche muss aber unnötige Hindernisse abreißen. Dafür braucht sie gar keine Prinzipien aufzugeben: Dass sie die Ehe für alle ablehnt, können selbst deren Befürworter nachvollziehen. Aber mit ihrer abstrusen, menschenfernen Haltung zur Sexualmoral und Empfängnisverhütung wird die Kirche selbst von den Treuesten der Treuen in ihren eigenen Reihen nicht mehr ernstgenommen. Kardinäle, die glauben, sie hätten in den Betten ihrer Gläubigen nach moralischen Prinzipien zu suchen, machen sich lächerlich. Warum geben sie solche Dummheiten nicht endlich auf?

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