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Kommentiert: Spitze für die Spitze

Ein Kommentar von Thorsten Karbach

Deutsche Hochschulen haben es schwer in den internationalen Rankings. Die renommierten Universitäten in den USA und Großbritannien können nicht nur auf ihre Tradition, sondern auch auf ein gepflegtes Mäzenatentum bauen, dass es so in Deutschland nicht gibt.

Auch die ETH in Zürich hat andere finanzielle Möglichkeiten als jede deutsche Hochschule, egal ob sie sich zur Elite zählt oder nicht.

Mit der Neuordnung von Artikel 91b des Grundgesetzes wird das nun anders, das sogenannte Kooperationsverbot wird gelockert, der Bund darf nun Hochschulen fördern, was bislang dem Land vorbehalten wurde.

Klingt gut? Ist es auch – für die, die jetzt schon die Spitze der deutschen Hochschullandschaft verkörpern. Der Bundesrat hat mit seinem Votum eine weitreichende Entscheidung getroffen. Denn der Bund darf Universitäten nur fördern, wenn es „um Fälle von überregionaler Bedeutung“ geht.

Will heißen: Hier wird in erster Linie Geld für Spitzenforschung gegeben. Davon profitieren dann die, die jetzt schon als Exzellenzinitiative maßgeblich unterstützt werden. Die besten Universitäten - neben der TU München, dem KIT in Karlsruhe, den großen Universitäten in Berlin oder auch Köln zählt auch die RWTH Aachen zweifellos dazu - werden die großen Nutznießer sein.

Die, die ohnehin in den Drittmittelranglisten vorne stehen, werden mit noch mehr Förderung rechnen können. Es ist eine Entscheidung im Sinne der Spitzenforschung. Die Konsequenz ist, dass sich die deutsche Hochschullandschaft mehr denn je verändern wird.

Besagte Spitzenforschung wird konzentriert – an weniger Standorten. Die anderen Hochschulen müssen sich mit guter Lehre und eigenen Profilen abheben, um auch in Zukunft ausreichend Studenten zu haben. Die Spezialisierung wird aber auch an den Hochschulen, die das Ende des Kooperationsverbots begrüßen, voranschreiten.

Die Konzentration auf förderfähige Disziplinen wird sich zuspitzen. An der RWTH wird gerade das Ende der Romanistik und die Zukunft der Philosophischen Fakultät diskutiert. Wer fürchtet, dass die Geisteswissenschaften zunehmend zum Dienstleister für die starken technischen Disziplinen der Hochschulen verkommen, dem wird das Aus des Kooperationsverbotes und seine Folgen nicht gefallen.

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