9642605.jpg

Kommentiert: Sozial Benachteiligte fühlen sich alleingelassen

Ein Kommentar von Madeleine Gullert

Eltern haben Vertrauen in Lehrer, das ist eine positive Erkenntnis der Allensbach-Studie, die aber auch eine dramatische Spaltung der Gesellschaft offenbart.

Es sind nämlich vor allem Eltern aus sozial benachteiligten Schichten, die ratlos sind, wie sie ihre Kinder bei der Bildung am besten unterstützen können. Sie werden alleingelassen mit ihren Sorgen. Mehr als die Hälfte der Eltern mit einfacher Schulbildung fühlt sich unsicher und klagt, dass sie keine zufriedenstellenden Antworten auf schulbezogene Fragen erhalten. Diese Hilflosigkeit schadet den Kindern aus bildungsfernen Schichten, weil sie nicht immer optimal gefördert werden.

Das darf nicht sein, nicht in einem Land, dessen Kanzlerin stets betont, wie wichtig es ist, in die „Ressource Mensch“ zu investieren, und dass die Chance für die Zukunft dieses Landes Bildung ist. Doch der soziale Aufstieg ist in Deutschland schwer. Dabei wünschen sich gerade die Eltern aus meist einkommensschwachen Schichten, dass es ihr Kind einmal besser hat. Leider bleibt es oft bei dem Wunsch, weil Bildungserfolg hierzulande anders als in anderen Industrieländern noch viel zu sehr vom Elternhaus abhängt. Da ist es wenig überraschend, dass sich Eltern aus niedrigen sozialen Schichten gar nicht erst wünschen, dass ihr Kind Abitur macht. Das ist schade, nicht nur, weil „Ressourcen“ verschwendet werden, sondern auch weil die Ungleichheit in der Gesellschaft zementiert wird.

Wie Abhilfe schaffen? Die betroffenen Eltern wünschen sich mehr Hilfe von den Lehrern. Doch die haben genug mit ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Unterricht, zu tun. Natürlich könnte man den Zuschnitt des Berufs ändern, mehr Lehrer-Eltern-Zeiten einplanen, aber das ist nicht notwendig. Die Lösung existiert bereits: Schulsozialarbeiter sollen helfen, Kinder zu integrieren und Hartz-IV-Biografien zu vermeiden. NRW hat nach monatelangem Streit mit dem Bund vor einigen Monaten beschlossen, die Schulsozialarbeiter selbst zu finanzieren. Die Landesregierung weiß, wie wichtig Sozialarbeiter sind. Die Bundesregierung offensichtlich nicht. Sie hätte die Finanzierung übernehmen müssen, wenn ihr die „Ressource Mensch“ tatsächlich so wichtig ist – doch das war wohl bloß eine leere Floskel.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert