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Kommentiert: Soldat? Nein, danke!

Ein Kommentar von Sonja Essers

Das Verteidigungsministerium ist verzweifelt. Der Grund: Die Bundeswehr ist als Arbeitgeber unbeliebt. Das ist eigentlich kein Geheimnis.

Schließlich melden sich seit der Abschaffung der Wehrpflicht im Jahr 2011 immer weniger junge Erwachsene zum Dienst bei der Freiwilligenarmee. In der Regel sind es 9000 junge Menschen pro Jahr. Bis 2011 waren es jedoch fast doppelt so viele. Aber warum sinken die Zahlen immer weiter in den Keller?

Das Meinungsforschungsinstituts Ipsos hat versucht, diese Frage zu beantworten. 2500 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren sollten die Frage beantworten, ob die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiv ist. Die Meinungen gingen auseinander. 27 Prozent der Befragten schlossen eine Karriere beim Bund sogar komplett aus. Das Risiko eines Auslandseinsatzes sei zu hoch und dieser sei zu gefährlich, gaben die jungen Erwachsenen als Begründung an.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist diese Problematik durchaus bewusst. Eigentlich müsste sie den Bewerbern die Angst vor potentiellen Gefahren nehmen. Doch genau das macht sie nicht. Im Gegenteil: Das Verteidigungsministerium steckt lieber viel Geld und Energie in eine Kampagne, die zeigen soll, dass die Rekruten nicht so „verweichlicht“ sind, wie sie von vielen Deutschen wahrgenommen werden. Doch damit setzen die Verantwortlichen auf ein komplett falsches Image. Die YouTube-Serie „Die Rekruten“ verkauft jungen Menschen zudem ein Bild, das nicht mehr der Realität entspricht.

Nicht jeder, der bei der Bundeswehr arbeitet, muss auch eine Uniform tragen oder ins Ausland reisen. Das wird bei einem Blick auf die Internetseite der Bundeswehr deutlich. Dort werden auch Ausbildungen zum Elektroniker, Mechaniker, Koch, Feuerwehrmann, Maler oder Tischler angeboten, und auch die IT-Branche spielt eine immer größere Rolle. Erst in diesem Jahr wurde die so genannte Cyberwar-Führung aufgerüstet. Ein eigenständiges Cyberkommando, das nach dem Vorbild der USA geschaffen wurde, soll 13.500 Soldaten und zivile Mitarbeiter umfassen. Ausgebildet wird an der Universität der Bundeswehr in München. Allein für 2016 wurden über 800 IT-Administratoren und 700 IT-Soldaten gesucht.

Ideenreichtum sieht anders aus

Ein Beruf mit Zukunft, der in der aktuellen Kampagne allerdings keine Rolle spielt. Stattdessen wirbt diese mit Slogans wie „Ab November wird draußen gespielt“, „Ab November wird zusammengefaltet“ und „Ab November werden härtere Töne angeschlagen“ und kehrt mit diesen Aussagen zum typischen Image der Bundeswehr zurück. Ideenreichtum sieht anders aus. Der Nachwuchs interessiert sich nun mal nicht für 20-Kilomer-Märsche und Liegestütze im Freien. Das wird sich wohl auch durch Formate auf YouTube, Facebook und Instagram nicht so schnell ändern.

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