Kommentiert: So etwas gehört dazu

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Kommentiert: So etwas gehört dazu

Ein Kommentar von Amien Idries

Wer Massentierhaltung prinzipiell in Ordnung findet, sollte vom Skandal um Fipronil in Eiern nicht überrascht und schon gar nicht darüber empört sein. In unserem System der Nahrungsmittelproduktion gehört so etwas dazu.

Auch wenn man den genauen Tathergang derzeit noch nicht kennt, so lässt sich doch vermuten, dass hinter der Beimischung des Insektizids zur Stallreinigung finanzielle Interessen standen. Effektivere Reinigung führt zu zufriedeneren Legehennenhaltern, dürfte sich die niederländische Reinigungsfirma gedacht haben. Dass Fipronil bei nahrungsmittelproduzierenden Betrieben auf dem Index steht, hat man wohl bewusst in Kauf genommen.

Massiver Imageverlust

So weit, so systemimmanent. Wer nun nicht zur Bedarfswirtschaft zurückkehren, aber dennoch wenig Giftstoffe in seinem Essen haben will, muss für ein wehrhaftes System sorgen. Ganz einfach, weil es offensichtlich finanzielle Anreize zum Betrug setzt. Das bedeutet: Regeln aufstellen, die Einhaltung dieser Regeln kontrollieren und ein Zuwiderhandeln bestrafen.

Wenn man sich den Fall aus den Niederlanden nüchtern anschaut, so muss man nach derzeitigem Stand festhalten, dass wir durchaus nicht schutzlos den Betrügern ausgeliefert sind. Die Insektizidbelastung wurde von den Behörden festgestellt; aufgrund der auf die Eier gedruckten Codes konnten die betroffenen Chargen ermittelt und aus dem Markt genommen werden. Und die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Wer also will, kann den Umgang mit dem Gift in den Eiern durchaus als Erfolgsgeschichte eines funktionierenden Verbraucherschutzes begreifen. Ein Schutz, den wir übrigens der mitunter viel gescholtenen Europäischen Union zu verdanken haben, die das Fipronil-Verbot verhängte.

Wer nüchtern analysieren will, muss außerdem differenzieren. Zu den Verlierern der Geschichte gehören nämlich nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Legehennenhalter, denen nach derzeitigem Ermittlungsstand kein Vorwurf zu machen ist. Sie sind durch die Reinigungsfirma geschädigt worden und müssen zudem noch damit leben, dass ihr Produkt einen massiven Imageverlust erleidet. Das gilt übrigens auch für die Halter, deren Eier nicht belastet sind. Zu einem richtig funktionierenden Schutzmechanismus gehört auch, dass derjenige, der sich an die Regeln hält, nicht bestraft wird.

Hennenhalter verschenkt Eier

Ein niederländischer Halter aus der Nähe von Venlo hat darauf bereits reagiert. Nachdem die niederländische Lebensmittelkontrollbehörde NVWA Mittwoch noch dazu riet, bis Sonntag gar keine Eier mehr zu essen, ruderte sie gestern zurück. Man solle nur die betroffenen Chargen meiden, sagte ein NVWA-Sprecher dem Sender NOS. Hennenhalter Alex Janssen aus Hegelsom forderte daraufhin via Facebook dazu auf, den NOS-Artikel zu teilen.

Als Belohnung versprach er jedem, der den Artikel auf dem Sozialen Netzwerk teilt, zehn Gratis-Eier. Das haben bislang knapp 3500 User getan. Einerseits könnte das teuer werden für Janssen, andererseits scheint es wohl doch noch einen Markt für sein Produkt zu geben.

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