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Kommentiert: So eine Luftnummer

Ein Kommentar von Robert Esser

Die Umweltzone für Aachen macht absolut Sinn – allerdings nicht für die Luftreinhaltung. Dass ab 1. Dezember 2015 nur noch Autos mit grünen Plaketten durch Aachen rollen sollen, ist in erster Linie eine Vorsichtsmaßnahme.

Weniger aus Sorge um höhere Feinstaub- und Stickstoffdioxidwerte – sondern aus Angst vor einer kostspieligen Ohrfeige aus Brüssel.

Denn wer die 40-Mikrogramm-Grenze fortwährend überschreitet und nicht alle verfügbaren Luftreinhalte-Instrumente – und als ein solches gilt die umstrittene Umweltzone – nutzt, der darf mit besonders saftigen Strafzahlungen rechnen. Zumindest mit einem EU-Pilotverfahren als Vorstufe zum Vertragsverletzungsverfahren, wie auch die für Aachen handelnde Bezirksregierung Köln einräumt. So läuft das in Europa.

Teure Umrüstung

Langzeitstudien in mehreren Städten – zuletzt Leipzig – zeigen, dass allein die Einführung einer Umweltzone und damit der Ausschluss eines verschwindend kleinen Teils des motorisierten Verkehrs keinerlei spürbare Verbesserung der Luftqualität bringt. Das ist Fakt. Auch in der Städteregion Aachen würden nicht mal acht Prozent der 270.000 angemeldeten Autos bei der Ausgabe der grünen Plakette leer ausgehen.

Außerdem existieren keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse darüber, welcher Anteil einer Umweltzone überhaupt an Jahr für Jahr besseren Messwerten zugeschrieben werden darf. Denn einzelne Städte – und hier ist Aachen in einer beneideten Vorreiterrolle – machen längst mehr, als ein paar Verbotsschilder an den Straßenrand zu pflanzen.

Man investiert in den Ausbau des Radwegenetzes, um Autofahrer in den Sattel zu locken. Man verschärft die Brennstoffverordnung, um dreckschleudernde Öfen und Kamine zu verbannen. Günstige Jobtickets verlagern Berufspendler auf den öffentlichen Personennahverkehr. Modernisierung, bestenfalls Elektrifizierung von Bussen und Bahnen, spart gleich tonnenweise giftige Abgase. Und Neuwagen laufen Jahr für Jahr schadstoffärmer. Welcher Luftqualitätsgewinn geht da im Laufe der Zeit auf welches Konto? Man weiß es nicht. Die Messstelle unterscheidet nicht.

Experten sind gleichwohl davon überzeugt, dass nur ganze Maßnahmenbündel nachhaltig zu sauberer Luft führen. Das Ziel ist ja unstrittig. Bloß: Einer Stadt wie Aachen geht durch eine Umweltzone nun möglicherweise viel Geld flöten, das dringend für wirklich wirksame Maßnahmen benötigt würde. Weil allein die Einführung und Ausschilderung der Zone rund 80.000 Euro kostet. Weil uralte Dieselbusse, die bald gegen hochmoderne Fahrzeuge ausrangiert würden, jetzt für Hunderttausende Euro per Filternachrüstung fürs Zonenareal legalisiert werden. Und weil unsere ausländischen Nachbarn nun Eintrittsgeld in Form einer Plakette für den Einkauf in Aachen zahlen sollen.

Apropos zahlen: Die Stadt Mönchengladbach kassierte 2014 rund 150.000 Euro durch Knöllchen von Plakettensündern. Geheimnis gelüftet. Ignoranz wiegt selbstverständlich alles auf. Was übrigens auch für ein anderes Paradoxon gilt: Eine grüne Umweltplakette für einen 330-PS-Sportwagen, der rund 20 Liter auf 100 Kilometern Stadtverkehr verbläst? Erstaunlicherweise kein Problem, macht auch absolut Sinn.

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