Kommentiert: Seehofer ist angezählt

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Kommentiert: Seehofer ist angezählt

Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek

Weiß-blaue Geschichten: Die CSU bläst zur Jagd auf ihren Parteichef, der sich mit deftigen Attacken seine Gegner vom Leib hält – vorerst.

Der Beobachter jenseits der Weißwurstgrenze mag daran nichts Ungewöhnliches finden. Denn bei anderen Parteien gehören solche Nachwehen einer Wahl zum politischen Alltag. Bei den Christsozialen ist das etwas anderes, sie haben keine Erfahrung mit Niederlagen.

Eine jahrzehntelange Alleinherrschaft (klammern wir die kurze Episode mit der FDP einmal aus) haben die CSU und Horst Seehofer verwöhnt und selbstgefällig gemacht. Dafür haben sie eine Quittung bekommen, die um einiges höher ausfällt als die für die Schwesterpartei.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Seehofer regiert den Freistaat in Sonnenkönigmentalität, ohne zu bemerken, dass sich die Kluft zwischen ihm, der Parteibasis und den Wählern immer weiter vergrößert. Mit der kreuzdummen Idee einer Pkw-Maut hat die CSU sicher etliche Wähler verschreckt. Am schwersten dürfte aber wiegen, dass es Seehofer nicht mehr gelingt zu vermitteln, in welcher Art seine Partei die Regierungspolitik überhaupt noch mitgestaltet.

„Mia san mia“-Beschwörungen und das Hin und Her bei der Obergrenze helfen nicht weiter in Zeiten, in denen die Menschen Antworten haben wollen auf drängende Fragen nach der Flüchtlingspolitik, der Alterssicherung oder der Inneren und Sozialen Sicherheit. Wenn Rechtspopulisten anfangen, Bayerns Straßen mit Plakaten à la „Wir halten, was die CSU verspricht“ zu pflastern, sollten die Alarmglocken schrillen.

Seehofer und Kanzlerin Merkel haben das Feld quasi kampflos der AfD überlassen. Und allzu oft ließ sich der mächtige Parteiboss aus Bayern – anders als in früheren Zeiten – zuletzt von Merkel vorführen. Das nimmt die stolze bayerische Seele übel. Seehofer ist angezählt, seine Zeit dürfte nach dem Parteitag im November vorbei sein. Es bestehen keine Zweifel daran, dass sein langjähriger Widersacher Markus Söder bereits das Drehbuch für Seehofers Sturz geschrieben hat.

Doch was schert den Rest der Republik Bayern? Viel. Denn wenn die Christsozialen ihre absolute Mehrheit bei den Landtagswahlen 2018 behalten wollen, müssen sie wieder an konservativem Profil gewinnen. Sie müssen ihre Ankündigung, die „rechte Flanke“ schließen zu wollen, mit Inhalt füllen – zweifelsohne eine schwierige Gratwanderung, will man nicht am rechten Rand fischen. Für die Gespräche zur Bildung einer Jamaika-Koalition ist das eine Bürde. Und das künftige Regieren wird es auch nicht einfacher machen.

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