9816923.jpg

Kommentiert: Schuss nach hinten

Ein Kommentar von Stephan Mohne

Eine Umweltzone bringt für Aachen nichts. Die Feinstaubwerte sind im EU-Normbereich.

Die Stickoxid-Werte sind es nicht, aber die werden durch die Zone auch nicht besser. Das Gegenteil könnte der Fall sein: Wer keine grüne Plakette hat, kann für ein paar hundert Euro einen Filter nachrüsten. Der bekämpft den Ausstoß von – Feinstaub. Aber eben nicht jenen von – Stickstoffdioxid. Der wird sogar bisweilen dadurch noch erhöht. Beispiel Aseag: Anstatt NO2-ärmere Busse zu kaufen, muss ein Teil der Busflotte flugs mit Partikelfiltern nachgerüstet werden, um noch in die City dieseln zu dürfen. So etwas nennt man kontraproduktiv.

Das weiß man bei der Bezirksregierung. Auch deswegen hat man den ambitionierten Aachener Sonderweg, der seit 2009 mit Luftreinhalteplan, aber ohne Umweltzone gegangen worden ist, bis dato – auch wegen messbarer Erfolge insbesondere beim Feinstaub – mitgetragen. Was also soll das nun alles?

Die Antwort liegt nicht in der Luft, sondern ganz woanders. Schon lange maulen andere „Umweltzonen-Städte“ über die Aachener Extrawurst. Da musste die Bezirksregierung auf kurz oder lang einknicken. Beschleunigt wurde das noch durch jenen „blauen Brief“, den Deutschland im September aus Brüssel erhielt – mit dem Hinweis, 33 Städte hielten immer noch nicht die EU-Grenzwerte ein. Das kann zu einem – für den Staat letztlich enorm kostspieligen – Vertragsverletzungsverfahren führen. Diese Klatsche fürs deutsche Saubermann-Image will man sich nicht einfangen. Da darf es nicht sein, dass Aachen als eine jener Städte nicht einmal eine Umweltzone hat – ob die nun Sinn macht oder nicht...

Vernünftigerweise müsste man stattdessen über deutlich aufgestockte (Bundes-)Sofortpakete in Sachen Förderung umweltfreundlicher Fahrzeuge reden. Wer kauft sich schon ein E-Mobil, wenn das doppelt so teuer ist wie das Spritfresser-Pendant? Unter anderem sinnvoll eingesetztes Geld kann auf Dauer zu sauberer Luft auch in Aachen beitragen. Bürokratische Zwangsmaßnahmen können dies nicht.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert