Kommentiert: Schade!

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Kommentiert: Schade!

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

Es ist ein bedauerlicher Kahlschlag an Gesprächskultur. Anders kann, anders möchte man es gar nicht mehr nennen.

Da stellt man – zur Information, zum Nachdenken, zur Diskussion, zur Argumentation, vielleicht sogar als Basis zur kon-struktiven Kritik oder einfach auch nur als Hinweis – einen Beitrag der „heuteShow“ über unser schönes Bundesland NRW ins soziale Netz.

Diese Mischung aus Satire und bissiger Zuspitzung durchaus vorhandener Defizite garnierten Olli Welkes Leute mit dem Titel „Nordrhein-Katastrophalen“. Ziemlich böse, ja. Aber so soll gute Satire sein. Und niemals ist sie im Kern ein Produkt der Phantasie. Sie nimmt reale Zustände aufs verbale Korn.

Die ersten kommentierenden Einträge ließen nicht lange auf sich warten. Irgendwann schalteten sich betroffene Politiker ein, Abgeordnete, Parteivorsitzende, andere Funktionäre. Von da an ging es nur noch ums Verteidigen, um Nicht-Zuständigkeiten, ums Verschieben von Verantwortung.

Schade. Und leider war das ein weiteres Beispiel für die nicht mehr vorhandene Fähigkeit, Schwächen offen anzusprechen und daraus einen gemeinsamen Kraftakt zu konstruieren, zu vereinbaren und auf den Weg zu bringen.

Ein Jahr Stillstand

Wenn es bis zur nächsten Landtagswahl und zur nächsten Bundestagswahl nur noch um Schuldzuweisung, die vermeintlich bessere Wahlkampf-Strategie und mögliche zukünftige Koalitionen geht, dann erleben wir ein fatales Jahr des Stillstands. Das fördert noch mehr Verdrossenheit und Anfälligkeit für diesen schrecklichen Populismus.

Bundeskanzlerin Merkel war in Afrika. Sie hat dort Gespräche geführt, die eigentlich der EU-Ratsvorsitzende Tusk und der EU-Kommissionspräsident Juncker hätten erledigen müssen. Sie hat über jene Hilfe vor Ort konkret gesprochen, die die Regierungschefs aus Ungarn, Tschechien und Polen vollmundig als Alternative zu Flüchtlingen und Grenzzäunen reklamieren. Sie tun aber dafür – nichts!

Putin war bei Merkel. Sie hatte ihren französischen Freund Hollande und den Ukrainer Poroschenko dazu gebeten. Sie hat auch da die Hausaufgaben anderer Sonntagsredner gemacht.

Nur noch kleinkariert?

Warum erfährt sie in solchen und ähnlichen supranationalen Aktionen nicht mehr Unterstützung über die Parteigrenzen hinaus? Sind wir wirklich so kleinkariert geworden?

Es gibt zwei sehr geeignete Kandidaten für die Gauck-Nachfolge. Sowohl Norbert Lammert (CDU), als auch Frank-Walter Steinmeier (SPD) wären exzellente Bundespräsidenten. Sie dürfen es nicht werden, weil die große Koalition sich auf keinen der beiden verständigen will. Sie könnte es schon, von der CSU abgesehen, die momentan gar nichts kann, jedenfalls nichts Konstruktives.

Unser Land hat eine sensiblere Wahrnehmung seiner Fähigkeiten, seiner Potenziale, seiner Kompetenzen und seiner Talente verdient. Es geht nicht immer um formale Zuständigkeiten und um lautes Dröhnen nichtssagender Worthülsen. So sieht lebendige Demokratie eben nicht aus.

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