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Kommentiert: Ruhe an der G8-Front

Ein Kommentar von Claudia Schweda

Mit der Entscheidung, prinzipiell zum Abitur nach neun Schuljahren auf dem Gymnasium zurückzukehren, räumen die schwarz-gelben Koalitionäre einen ganz dicken Brocken zur Seite.

Jeder neue Schulminister wäre an der Beendigung der Debatte um das ungeliebte, verkürzte G8 ebenso gescheitert wie die bisherige Schulministerin. Die Front gegen das G8 ist einfach zu stark. Die Gegner des „Turbo-Abiturs“ hätten nie Ruhe gegeben. Warum auch? Im Westen kehrt Bundesland für Bundesland zum alten Abitur als Regelfall zurück. Zuletzt die Bayern.

In NRW kamen in fünf Monaten 500.000 Unterschriften gegen das G8 zusammen. Das ist fast die Hälfte dessen, was die Gegner für ein Volksbegehren brauchen. Und sie haben noch sieben Monate Zeit. Solch eine offene Flanke will sich die neue Koalition in NRW nicht gleich zu Beginn der Legislaturperiode aufmachen.

Denn Argumente für ein G8 finden sich wenige: Das verkürzte Abitur war ein Wunsch der Wirtschaft, um junge Menschen nach dem Studium früher als Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben und sie länger in die Rentenkassen einzahlen zu lassen. Doch die Rechnung ging nicht auf. Viele Abiturienten nutzen das Jahr für eine Auszeit oder machen ein Freiwilliges Soziales Jahr. Wer tatsächlich ein Studium aufnimmt, bricht es häufiger als früher orientierungslos ab.

FDP und CDU gehen bei ihrem Kurswechsel pragmatisch vor. Sie verraten ihr Wahlprogramm nicht vollends. Sie drehen einfach die Prioritäten um: Die Schulen müssen also nicht begründen, wenn sie zum G9 zurückkehren wollen. Einen Sonderantrag brauchen nun die, die beim G8 bleiben wollen.

Die Erfahrung aus anderen Bundesländern zeigt: Fast alle Schulen kehren zum alten G9 zurück. Beim G8 bleiben nur die, die wirklich ein gut funktionierendes Konzept haben – für den Nachmittag und für die Hausaufgaben etwa. Solche Schulen aber dürften angesichts der übereilten Einführung des G8 selten sein.

Schwarz-Gelb wäre feige gewesen, hätten sie keine Leitentscheidung für eine Schulform gefasst. Es ist die Aufgabe der Politik, solche Leitplanken zu setzen. Tut sie es nicht, führt das ins Chaos. So bringt der nun gefasste Beschluss für eine G9-Leitentscheidung nicht nur Schwarz-Gelb langfristig mehr Ruhe. Sie nutzt vor allem den Kindern.

Denn was wäre die Folge der von CDU und FDP noch im Wahlkampf angekündigten Variante gewesen, bei der jedes Gymnasium frei hätte wählen können? Ein Flickenteppich, den die Schüler spätestens bei einem Umzug zu spüren bekommen hätten, wenn am neuen Wohnort die eigene Abiturvariante nicht angeboten worden wäre.

Die Rückkehr zum G9 wird sicher nicht ganz ohne Debatten vonstatten gehen. Diskutiert werden muss zum Beispiel die Frage des Lehrplans. Die Debatte darum, ob man in Zeiten des Zentralabiturs zum alten Lehrplan zurückkehrt, sollte der Landtag besonnen angehen, damit am Ende nicht wieder die Schüler unter einer überstürzten Veränderung leiden müssen.

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