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Kommentiert: Rückzugsgefechte

Ein Kommentar von Amien Idries

Rein rational wird man kaum gegen die Homo-Ehe argumentieren können. Es gibt kein Argument, dass sich nicht mit relativ einfachen Mitteln widerlegen ließe.

Die Ehe als Keimzelle der Fortpflanzung? Kinder werden auch außerhalb von Ehen geboren; zudem gibt es Ehen ohne Nachwuchs. Der besondere Schutz der heterosexuellen Ehe? Etwas verliert doch nicht an Bedeutung, weil es auch jemand Anderes machen darf. Der Schutz der Kinder, die ein Recht auf Vater und Mutter haben? Es gibt bereits Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern – übrigens ganz ohne Homo-Ehe. Ein seriöser Nachweis dafür, dass diese Kinder Schaden nehmen, existiert nicht. So ließe sich das Argument-Gegenargument-Spiel beliebig fortsetzen.

Allein, es geht bei der Debatte, die durch die Entscheidung in Irland neue Dynamik erhalten hat, weniger um rationale Argumente als vielmehr um Emotionen. Um Unbehagen, um Angst. Angst vor einem Werteverfall, Angst vor einer Auflösung des klassischen Familienbildes und Angst vor einer Normalisierung des „Unnormalen“. In letzter Konsequenz die diffuse Angst, dass Homosexualität nicht eine Frage der biologischen Prädisposition ist, sondern etwas, das sich womöglich doch anerziehen lässt. Nur durch diese Angst lässt sich erklären, warum Kinder vor homosexuellen Eltern oder einem schwulen Lifestyle „geschützt“ werden sollen. Eine Position, der mit rationalen Argumenten schwerlich beizukommen ist.

Das ist nicht ungewöhnlich für politische Prozesse, die vielfach durch Emotionen forciert und gesteuert werden. Interessant ist die Frage, wie die Politik mit diesen Emotionen umgeht. Der Blick nach Irland zeigt: Hier war es nicht ganz zufällig die konservative Partei Fine Gael, die die Befürworter der Homo-Ehe anführte. Nur sie war in der Lage, Teile des konservativen Lagers mitzunehmen und Ängste zu abzubauen.

Den Gegenentwurf dazu präsentiert die CDU/CSU. Ebenfalls aus Gründen der Emotion und der Symbolik. Frauenquote, Ende der Wehrpflicht, Mindestlohn. Nur drei Politikfelder, bei denen die Union unter Merkel klassische konservative Standpunkte verlassen hat. Die Homo-Ehe dürfte eines der letzten verbliebenen Alleinstellungsmerkmale der Christdemokraten sein, weswegen sie es nicht ohne Not aufgeben werden. Nur so sind die faden Argumente etwa von CDU-Vize Strobl zu erklären, der auf den Koalitionsvertrag verweist und sich gegen eine Abstimmung im Bundestag ohne Fraktionszwang ausspricht, weil das Parlament „berechenbar“ bleiben solle.

Jedem in der Union dürfte auch wegen der innerparteilichen Befürworter klar sein, dass die Partei Rückzugsgefechte führt. Das Verfassungsgericht hat dafür gesorgt, dass die eingetragene Lebenspartnerschaft der Ehe immer ähnlicher wird, und laut aktuellen Umfragen würde bei einem Referendum eine breite Mehrheit für die Homo-Ehe stimmen. Die Union aber stemmt sich dagegen, nur um am Ende sagen zu können: „Wir sind es nicht gewesen.“

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