Kommentiert: Rückfall ins Mittelalter

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Kommentiert: Rückfall ins Mittelalter

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Ein Gerichtswerkzeug aus dem Mittelalter, von dem wir dachten, es sei längst abgeschafft, ist wieder in Mode: der Pranger!

Andere Menschen öffentlich wegen eines Fehlverhaltens anzuschwärzen und vorzuführen, übt augenscheinlich eine besondere Faszination auf die Menschen aus. Mal abgesehen davon, dass es offensichtlich auch einen Hang zum Denunziantentum gibt.

Möglich machen es das Internet, die Sozialen Netzwerke und in dem konkreten Fall das Portal „www.fahrerbewertung.de“, mit dessen Hilfe auffällige Verkehrsteilnehmer angeschwärzt werden können. Wer zu schnell fährt, dessen Kennzeichen wird genannt; Wiederholungstäter werden an den „Autopranger“ gestellt und der öffentlichen Schande ausgesetzt. Das ist ein bisschen wie Petzen im Kindergarten – geradezu lächerlich.

Es weckt aber auch schlimme Assoziationen, beispielsweise an die USA, wo auf Schildern vor Wohnhäusern darauf hingewiesen wird, dass hier ein Sexualstraftäter lebt.

Insofern ist das Urteil des Oberverwaltungsgericht in Münster, das die Portalbetreiberin von „www.fahrerbewertung.de“ anweist, die Seite so zu ändern, dass nur der jeweils betroffene Fahrzeughalter und sonst niemand die für ihn schlechte Bewertung einsehen kann, ein Schritt in die richtige Richtung. Es darf nicht sein, dass durch derartige Portale eine Art zweite Justizebene eingezogen wird. Nicht Privatpersonen sind dafür zuständig, Verkehrsteilnehmer und ihr Verhalten zu überprüfen und zu sanktionieren. Das ist Aufgabe von Polizei und Justiz.

Verkehrswidriges Verhalten wird hierzulande ausreichend durch staatliche Behörden überwacht und entsprechend durch Geldbußen, ein Punktesystem, Führerscheinentzug oder andere Maßnahmen bestraft. Der Ruf nach mehr Gesetz ist unangebracht.

Ganz zu schweigen von fragwürdigen Internetportalen, die zwar mit den neuesten technischen Möglichkeiten arbeiten, aber im Grunde einen Rückfall ins tiefste Mittelalter bedeuten.

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