Kommentiert: Richtige Korrektur

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Kommentiert: Richtige Korrektur

Ein Kommentar von Madeleine Gullert

Das äußerst milde Urteil im Fall der Kölner Raser ist revidiert worden. Richtig so! Es mag anmaßend sein, ein Urteil der Justiz von außen zu bewerten, doch waren die Strafen im Kölner Fall kaum vermittelbar.

Insbesondere im Vergleich zu den lebenslangen Haftstrafen für die Berliner Raser in einem ähnlich gelagerten Fall. Die Bewährungsstrafen, die nun zur Disposition stehen, empfanden viele Menschen als skandalös. Auch die Richterin am Bundesgerichtshof hob am Donnerstag eben jenen Aspekt hervor: Das Landgericht habe „sich nicht ausreichend damit auseinandergesetzt, wie sich die Bewährung auf das Rechtsempfinden der Bevölkerung auswirkt“.

Es geht nicht darum, dass sich die Justiz in ihren Urteilen dem Zeitgeist beugt. Nein, aber der BGH hat im Rahmen des Gesetzes die lasche Auslegung der Kölner Richter korrigiert. Das könnte künftige Urteile beeinflussen.

Verkehrspsychologen sagen, dass das Auto in vielen Menschen die niedersten Charaktereigenschaften hervorrufen: Voyeurismus, Egoismus, Größenwahn. Da sind die Raser, die Gaffer bei Unfällen, jene, die ständig aufs Handy schauen und damit die Verkehrssicherheit gefährden, und erst diese Woche hatte es Ärger um Autofahrer gegeben, die bei dem schweren Busunfall auf der A9 keine Rettungsgasse gebildet hatten.

Gesetzgeber hat reagiert

Es sind mitnichten alles neue Probleme, aber die Vorfälle häufen sich. Der Gesetzgeber indes hat diesen Trend erkannt und schon reagiert: mit höheren Strafen auch für Raser. Ende Juni wurde ein Gesetz verabschiedet, das das Strafmaß für verbotene Autorennen drastisch erhöht. Rasern drohen künftig bis zu zehn Jahre Haft, wenn dabei ein Unbeteiligter ums Leben kommt.

Neben dem Führerschein kann auch das Auto eingezogen werden. Vielleicht zieht das ja bei Menschen wie den Kölner Rasern, die sich nach dem Unfall mehr um ihre Felgen zu sorgen schienen als um das getötete Mädchen?

Die Politik hat ihren Job getan. Grund zur Freude ist das nicht. Denn die traurige Erkenntnis bleibt: dass wir das anständige Miteinander offensichtlich immer häufiger nur hinbekommen, wenn andernfalls Strafen drohen.

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