Kommentiert: Respekt, bitte!

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Kommentiert: Respekt, bitte!

Ein Kommentar von Claudia Schweda

Annegret Kramp-Karrenbauer ist verunglückt. Zum Glück ist niemand schwer verletzt worden. Eigentlich also kaum der Rede wert. Aber die Uhrzeit sagt viel über das Leben in der Politik aus: 4:30 Uhr!

Die Ministerpräsidentin des Saarlandes hat sich nach ihrem Neujahrsempfang mit 1800 Gästen in Saarbrücken mitten in der Nacht ins Auto gesetzt, um pünktlich am nächsten Morgen 700 Kilometer entfernt bei den Sondierungsverhandlungen wieder in Berlin sein zu können. Schlafen im Auto. Mehr ist nicht drin. Kein Zuckerschlecken. Ein Bett wäre ihr sicher lieber gewesen.

Die nächtliche Autofahrt zeigt: Wer auch immer Politik ernsthaft betreibt, übernimmt Verantwortung, arbeitet hart an der Lösung von Problemen und zahlt einen hohen Preis dafür. Beim NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet dürfte seit Monaten – nach Landtagswahl, Bundestagswahl und der sich schier endlos dehnenden Regierungsfindung – der Terminkalender ähnlich wie bei Annegret Kramp-Karrenbauer aussehen.

Und auch einfache Abgeordnete sind um 7 Uhr im Büro und der letzte Termin endet meist irgenwann am (sehr) späten Abend. Eine 80-Stunden-Woche ist normal, es können auch 90 werden. Und am Wochenende gibt es sicher irgendein Ereignis im Wahlkreis, bei dem man nicht fehlen darf. Das Privatleben ist da häufig nicht mal mehr Nebensache. Es existiert schlicht nicht mehr.

Die Bezahlung dafür ist gut, aber sie ist nicht exorbitant hoch. Angela Merkel verdient 18.820 Euro pro Monat. Dafür übernimmt sie als Kanzlerin Verantwortung für ein ganzes Land. Selbst der Vorstandschef der Kreissparkasse Heinsberg verdient rund 30.000 Euro.

Man muss deswegen kein Mitleid mit Politikern haben. Die, die sich zur Wahl stellen, haben es sich so ausgesucht. Aber die im Internet weit verbreiteten und schnell dahingerotzten Beleidigungen haben sie nicht verdient. Da ist der eine ein „primitives Mobberschwein“, die andere eine „homophobe Nazi-Schlampe“, beim nächsten wird dazu aufgefordert ihn „aufzuhängen“. Vielleicht ringt das plastische Beispiel dieser Nachtfahrt diesen Menschen wieder etwas von dem ab, was ihnen offensichtlich fehlt: Respekt.

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