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Kommentiert: Reform wäre heilsam

Ein Kommentar von Claudia Schweda

Die Debatte um den allzu liberalen Zugang zum Beruf des Heilpraktikers läuft in Deutschland seit Jahren. Passiert ist bislang nichts.

Vielleicht bringt das „Münsteraner Memorandum“ neuen Schwung in die Diskussion. Denn bislang muss man hierzulande nur 25 Jahre alt und gesund sein, mindestens einen Hauptschulabschluss haben und ein Führungszeugnis vorlegen können, dann hat man ein Recht darauf, eine Heilpraktikererlaubnis zu bekommen, wenn man in einer Überprüfung zeigt, dass man keine Gefahr für einen Patienten darstellt. Die Behörden legen die Latte bei dieser Überprüfung inhaltlich zwar extrem hoch. Doch ein zweistündiger Multiple-Choice-Test ist einfach zu wenig.

Das Bundesverwaltungsgericht hat schon 2009 eine „systematische Unstimmigkeit“ festgestellt, weil es einerseits Berufsbilder mit erheblichen Qualifikationsanforderungen im Gesundheitsbereich gebe, andererseits aber durch das Heilpraktikergesetz gedeckt sei, Patienten nur nach einer Überprüfung durch das Gesundheitsamt zu behandeln. Dieses Gesetz stammt aus dem Jahr 1939. Damals wollte man fahrenden Händlern und Scharlatanen das Handwerk legen. Der Staat geht seitdem nur der Frage der Eignung nach.

Was fehlt, ist zudem die Definition, was „Heilkunde“ überhaupt umfasst, welche Therapie also erlaubt ist. Bislang entscheiden die Kreisgesundheitsämter im Zweifel vor Ort, was in ihrer Region erlaubt ist. Wozu die Zuständigkeit der Kreise führt, zeigt der Fall des Brüggener Heilpraktikers, der seine Patienten mit einem nicht zugelassenen Präparat behandelt hat. Nach dem Entzug der Erlaubnis durch den Kreis Viersen, konnte er problemlos in den Kreis Wesel weiterziehen, obwohl noch gegen ihn wegen drei Todesfällen ermittelt wird. Das allein zeigt, dass das System von 1939 Lücken hat.

Eine Abschaffung des Heilpraktikerberufs würde aber übers Ziel hinausschießen. Nur weil kein wissenschaftlicher Nachweis über die Wirksamkeit geführt werden kann, ist Akupunktur oder Homöopathie nicht per se Humbug. Die Schweiz hat vor zwei Jahren ihr System reformiert: Der Heilpraktikerberuf wurde an eine Ausbildung geknüpft. Übrig blieben vier Fachrichtungen: Ayurveda, Homöopathie, traditionelle chinesische Medizin und traditionelle europäische Naturheilkunde. Seriöse Heilpraktiker werden sich gegen eine solche Reform nicht stellen. Sie wissen, wie viel Vertrauen seit Brüggen zerstört worden ist.

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