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Kommentiert: Qualität kostet Geld

Ein Kommentar von Jutta Geese

Das Ergebnis der Bertelsmann-Studie ist nicht wirklich überraschend: In Deutschland fehlen 120.000 Erzieherinnen und Erzieher, 17.500 allein in Nordrhein-Westfalen, um eine qualitativ hochwertige Betreuung der Vorschulkinder in Kitas zu gewährleisten.

Ähnlich hoch waren die Zahlen, die die Bertelsmann-Stiftung vor zwei Jahren präsentierte. Und die Wohlfahrtsverbände fordern seit Jahren, dass die Politik nicht nur auf Quantität setzen darf, sondern die Qualität der Betreuungsplätze im Blick behalten muss.

Doch mit Blick auf den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz auch für unter Dreijährige – und der Angst vor Klagen, wenn Eltern leer ausgehen – lag der Schwerpunkt bislang auf der Quantität. Über Qualität wurde zwar geredet, aber konkret wenig getan.

Handlungsempfehlungen gibt es in Hülle und Fülle, Qualitätszirkel , in denen sich Fachleute aus der Praxis mit denen aus der Wissenschaft austauschen, auch. Was fehlt, sind bundesweit einheitliche, verbindliche Qualitätsstandards sowohl für die Bildungsinhalte als auch für die Personalausstattung.

Doch da wagt sich noch niemand ran. Aus unterschiedlichen Gründen. Bildung, auch die frühkindliche, ist Ländersache. Der Bund darf/soll sich da nicht einmischen. Und 16 Landes- plus ein Bundesbildungsministerium unter einen Hut zu bekommen, ist sicher nicht ganz einfach. Aber vermutlich noch das geringste Problem.

Entscheidender dürfte sein, dass Qualität Geld kostet. Dauerhaft. Doch schon jetzt klagen Kita-Träger über eine mangelnde Finanzausstattung. Gut ausgebildetes Personal in ausreichender Zahl gibt es aber nicht zum Nulltarif. Zumal den Erzieherinnen und Erziehern ähnlich wie Lehrerinnen und Lehrern viel mehr abverlangt wird als früher und die Arbeit richtig stressig ist.

Entsprechend bezahlt werden sie jedoch nicht. Gerade mal 2220 Euro beträgt das Einstiegsgehalt für Erzieherinnen. Wer die Leitung einer Kita mit 130 Kindern und entsprechendem Personal verantwortet, erhält gerade mal 2800 Euro. Jeweils brutto, versteht sich. Und für eine Vollzeitstelle. Aber eine solche haben nur etwa 56 Prozent aller Erzieherinnen und Erzieher. Viele arbeiten zwangsweise Teilzeit, viele zudem mit befristeten Verträgen.

Zweifel angebracht

Wer mehr junge Frauen und vor allem Männer für den Erzieherberuf gewinnen möchte, muss dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Bundesweit. Dazu gehört eine bessere Bezahlung, dazu gehören gute Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, dazu gehört Arbeitsplatzsicherheit. Ob die für Herbst geplante Bund-Länder-Konferenz zur Qualität der Kinderbetreuung dazu wegweisende Beschlüsse fassen wird? Zweifel sind angebracht.

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