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Kommentiert: Pure Arroganz

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Peter Tauber eilt der Ruf voraus, ein ausgebuffter Medienprofi zu sein. In seiner Partei, der CDU, sieht sich der Generalsekretär als Modernisierer, der sich sehr gut auf den Umgang mit Sozialen Medien versteht – besonders in Wahlkampfzeiten wie diesen.

Zu dem Thema hat Tauber 2013 eigens einen 24-seitigen Leitfaden verfasst, sozusagen eine Handlungsanweisung für Politiker. Auf Seite 22 listet Tauber zwölf Goldene Regeln für einen sinnvollen Umgang mit Sozialen Medien auf. Die dritte Regel lautet: „Mach es gut, oder lass es lieber sein!“

Tauber wäre gut beraten, wenn er hin und wieder in seinen eigenen Leitfaden hineinschauen würde. Dann hätte er sich und seiner Partei womöglich die vielen empörten Reaktionen erspart, die er mit einer respektlosen Äußerung zu Minijobbern auf Twitter ausgelöst hat. „Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs“, hatte Tauber einen User rotzfrech abgefertigt und damit für einen Eklat gesorgt.

Entrückte Politik?

Tatsächlich ist die Äußerung an Arroganz kaum zu überbieten. Zudem wird dem Vorurteil Vorschub geleistet, Politiker seien der Lebenswirklichkeit der ganz normalen Bürgerinnen und Bürger weit entrückt. Oder ist es am Ende gar kein Vorurteil?

Da nutzte es auch nichts, dass sich Tauber, als die Wogen im Netz hochschlugen und er spürte, was er angerichtet hatte, schnell ein Rückzieher machte und sich brav entschuldigte. Eine Entgleisung, wie sie sich Tauber erlaubt hat, bleibt bei den Menschen hängen. Die sind ja nicht blöd. Aber wie dumm muss man eigentlich sein, sich zu einer derart elitären und abgehobenen Äußerung hinreißen zu lassen?

Bärendienst für Merkel

Seiner Parteichefin, Kanzlerin Angela Merkel, hat Tauber mit dem Tweet einen Bärendienst erwiesen. Nur einen Tag zuvor hatte Merkel mit CSU-Chef Horst Seehofer das gemeinsame Wahlprogramm vorgestellt, mit dem vor allem das Gefühl vermittelt werden sollte, dass sich die Konservativen um alle Menschen in diesem Land kümmern wollen: Steuern senken, Familien entlasten und Vollzeitbeschäftigung erzielen. Taubers Respektlosigkeit gegenüber Menschen in prekären Lebensverhältnissen ist mit dieser warmherzigen CDU/CSU-Offensive in keiner Weise in Einklang zu bringen.

Auf Seite 20 seines Leitfadens beschäftigt sich Tauber übrigens mit dem Thema Shitstorm. Unter der Überschrift „Vorsicht Falle“ heißt es wörtlich: „Wenn wir die genannten Regeln einhalten, kann eigentlich nichts passieren. Jedoch kann ein Shitstorm hinter jeder Ecke lauern. Diese Art des Protests unterscheidet sich in Art und Ausmaß deutlich von allem, was man in früheren Zeiten als Reaktion auf eine Äußerung oder Handlung erwarten konnte.“

Peter Tauber hat es schon 2013 kommen sehen; gewisse visionäre Fähigkeiten wird man ihm also nicht absprechen können. Fingerspitzengefühl besitzt er hingegen überhaupt nicht. Und an Regeln scheint er sich auch nicht zu halten. Noch nicht mal an die eigenen.

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