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Kommentiert: Porzellan zerschlagen

Ein Kommentar von Amien Idries

Der Kita-Streik ist fast beendet. Es bleiben Fragen.

Natürlich wird nun vor allem in jungen Familien aufgeatmet, und auch die meisten Erzieherinnen und Sozialarbeiter dürften froh sein, dass der Kita-Streik endlich so gut wie beendet ist. Dennoch ist nicht alles wieder gut, selbst wenn das Verhandlungsergebnis von der Tarifkommission und in einer Urabstimmung bestätigt werden sollte. Denn so viel ist sicher: Es ist viel Porzellan zerschlagen worden in diesem Kita-Streik-Sommer.

Das liegt zum einen an der normalen Tarifstreitpsychologie. Da stehen sich Verhandlungsführer gegenüber, die auf beiden Seiten mit hohen – in der Regel viel zu hohen – Forderungen in die Tarifrunde gehen und nach zähen Verhandlungen ihrer erwartungsfrohen Basis den Kompromiss verkaufen müssen.

Das gilt in dieser Tarifrunde besonders für Frank Bsirske. Man muss kein Machtpsychologe sein, um zu erkennen, dass der Verdi-Chef mit mindestens einem Auge auf seine Wiederwahl Ende September schielte, als er sich in den Verhandlungen als besonders harter Hund gab, und die Streitlösung schließlich an die Schlichter übergeben wurde.

Bsirskes Kalkül, die Verantwortung abzugeben, um nach dem Schlichterspruch seine Hände in Unschuld waschen zu können, ging bekanntermaßen nicht auf. Der Kompromiss ging in einer Urabstimmung baden. Und auch Bsirske erhielt mit seinem bislang schlechtesten Wahlergebnis die Quittung.

Aber nicht nur die Gewerkschaften hat dieser Streik aufgewühlt, vor allem die Familien hat er getroffen. Das ist das Absurde an diesem Streik: Unter einem Lokführerstreik leiden naturgemäß die Kunden. Aber auch der Bahn tut der Ausstand weh, weil sie Geld und Ansehen verliert.

Die bestreikten Kommunen hingegen können sich sogar freuen, weil sie den Erzieherinnenlohn sparen und die von den Eltern gezahlten Kitabeiträge gar nicht oder nur widerwillig zurückzahlen. Finanzieller Streikschaden gleich Null. Das muss sich ändern. Wer von Familienfreundlichkeit faselt und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf predigt, kann Familien im Streikfall nicht vollkommen alleine lassen. Denn eins ist sicher: Der nächste Kita-Streik kommt. Spätestens 2020.

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