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Kommentiert: Pannen und Klüngel

Ein Kommentar von Amien Idries

Die Riss-Reaktoren in Doel und Tihange sind nicht nur eine Pannengeschichte im Hinblick auf den Zustand der Reaktordruckbehälter, sondern auch mit Blick auf die Information der Öffentlichkeit.

Die wird vom Betreiber Electrabel und der belgischen Atomaufsicht FANC bei einem derart sensiblen Thema wie der Atompolitik nach der Salamitaktik bedient. Kommunikation nach dem Prinzip: Wir sagen nur, was wir sagen müssen.

Höhepunkt ist nun die Zahl und Größe der Risse in den Druckbehältern, die sich dramatisch erhöht haben. Das ist das Resultat einer Untersuchung, die bereits 2014 durchgeführt wurde. Im Dezember teilte die FANC dann mit, dass es mehr Risse gibt als bei der ersten Messung 2012. Die genaue Zahl gibt sie aber erst Mitte Februar 2015 bekannt. Vermutlich hatten die Risse-Zähler bei der FANC lange Urlaub. Ein paar Tage später rückt die FANC dann die schockierenden Ergebnisse zur Größe der Risse heraus. Auf Anfrage einer Bürgerinitiative und auch nur an diese. Argumentation der FANC: „Nur Sie haben danach gefragt“. Ist das dumm, weil man das Interesse der Öffentlichkeit nicht einschätzen kann, oder dreist, weil man es einfach ignoriert?

Bleibt die Hoffnung, dass die FANC in Sachen Atomaufsicht besser arbeitet als bei der Information der Öffentlichkeit. Eine Hoffnung, die sich bei näherem Hinsehen recht schnell zerschlägt.

Denn, das was die FANC – immerhin eine staatliche Institution – in Sachen unabhängiges Krisenmanagement „geleistet“ hat, ist wahrlich nicht dazu geeignet, Vertrauen aufzubauen. Da werden Risse in Druckbehältern entdeckt – dem Herzstück eines jeden Reaktors – und der FANC kann es nicht schnell genug gehen, Sicherheitsbedenken vom Tisch zu wischen. Die Risse seien ganz sicher bei der Herstellung der Druckbehälter entstanden, wird da per Ausschlussprinzip erklärt, um dann die Reaktoren flott wieder hochzufahren. Als sie dann wieder vom Netz gehen müssen, spricht man von einer „reinen Vorsichtsmaßnahme“. Kein Grund zur Besorgnis.

Besonders zu Beginn der Rissaffäre haben der Betreiber Electrabel und die FANC mit einer Stimme gesprochen. Dabei entstand oft genug der Eindruck, dass der Betreiber, der eigentlich kontrolliert werden soll, die Atomaufsicht vor sich hertreibt.

Dass die Atomaufsicht in Belgien nicht richtig funktioniert, liegt auch daran, dass es einen munteren Personalwechsel zwischen FANC und Atomindustrie gibt. Jan Bens, der derzeitige FANC-Chef, war nicht nur Leiter des AKW Doel, sondern auch beim Weltverband der Kernkraftwerksbetreiber angestellt. Auch sein Vorgänger Willy de Roovere war vor seiner Zeit als FANC-Chef langjähriger Electrabel-Mitarbeiter. Beim ehemaligen Arbeitgeber fällt das auf die Finger klopfen also offensichtlich schwer.

Aber – und das ist die gute Nachricht – offensichtlich kommt zumindest im Fall der Riss-Reaktoren Bewegung in die Verhältnisse. Der FANC ist die Sache offenbar inzwischen zu heikel und scheint offenbar bereit, ihre Aufsichtsfunktion besser zu erfüllen.

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