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Kommentiert: Pakistans Regierung hat versagt

Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek

Am Tag nach dem schrecklichen Schulmassaker der Taliban zeigt sich die ganze Hilflosigkeit der pakistanischen Regierung: Man werde zurückkehren zur Todesstrafe, heißt es dort.

Das ist nichts anderes als ein Eingeständnis des kollektiven Versagens. Das Blutbad an Kindern ist der vorläufige Höhepunkt eines Krieges, den die pakistanische Elite mit zu verantworten hat.

Wir erinnern uns an Zeiten, da waren die Gotteskrieger der Taliban der Politik und dem umstrittenen Geheimdienst gut genug, um die Russen aus dem Nachbarland Afghanistan zu vertreiben. Dann kam der 11. September 2001. Der damalige Machthaber Pervez Musharraf beugte sich dem Druck der USA und führte fortan gegen jene Krieg, die man einst bewaffnet hatte. Ein halbherziger Kampf, der darin gipfelte, dass Musharraf das Swat-Tal den Extremisten überließ, um in Islamabad seine Ruhe zu haben. Welch naive Vorstellung, diese Steinzeit-Islamisten unter Kon­trolle halten zu können. Die Isaf-Soldaten jenseits der Grenze mussten tatenlos zuschauen, wie die Taliban ihre Ausbildungslager ausbauten und munter in Afghanistan ihre Anschläge verübten.

Dass die US-Regierung zig Millionen Dollar in den Anti-Terror-Kampf ins Land pumpte und seit Jahren Drohnenangriffe fliegt, ist aus Angst um eine strauchelnde Atommacht in einer geopolitisch höchst sensiblen Region verständlich. Es führt aber dazu, dass sich die Regierung in Pakistan dem Vorwurf der religiösen Rechten ausgesetzt sieht, als Erfüllungsgehilfe der USA zu agieren. Ein perfekter Nährboden für die Propaganda der Terroristen.

Solange Pakistan nicht entschlossen den Kampf gegen die Taliban aufnimmt, wird das Blutbad von Peshawar nicht das letzte gewesen sein. Die Zeit drängt, denn in Kürze verlassen die internationalen Kampftruppen Afghanistan. Es droht ein Machtvakuum, das von den Taliban und ihren Verbündeten gefüllt werden dürfte. Die Schergen des IS warten nur darauf, weitere Handlanger des Todes zu rekrutieren. Der islamistische Terror ist die große Herausforderung unserer Zeit, doch es fehlen die Rezepte, ihn einzudämmen – da sind alle Staaten gefordert.

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