Kommentiert: Ohne Zukunft

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Kommentiert: Ohne Zukunft

Ein Kommentar von René Benden

Im Juni 2013 schreckte die Region auf. Da verkündete RWE, alle Kraftwerke und Tagebaue auf den Prüfstand zu stellen.

Grund: Die Stromproduktion aus Kohle und Gas verlor dramatisch an Wert, weil der Wechsel auf regenerative Energien erheblich zügiger voranschritt, als das zu erwarten war. 20 bis 30 Prozent des aktuellen Kraftwerk-Parks würden keinen Gewinn mehr abwerfen, erklärte damals RWE-Power-Chef Matthias Hartung. Darauf müsse der Konzern reagieren.

Der Juni 2013 ist in Vergessenheit geraten, seitdem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Idee lanciert hat, ältere Braunkohlekraftwerke mit einer Sonderabgabe zu belegen, um CO2-Emissionen zu reduzieren. Seither ist Gabriel in der öffentlichen Darstellung so etwas wie der Totengräber der Braunkohle. Mal abgesehen davon, dass sich Gabriel mit seiner Idee ob des wachsenden politischen Widerstands ohnehin nicht durchsetzen wird, ist diese Darstellung irreführend. Denn die Tage des gigantischen Braunkohleabbaus in unserer Region gehen vorüber. Nicht heute, nicht morgen, doch das Ende zeichnet sich am Horizont deutlich ab.

Der aktuelle Wirtschaftsminister hat damit wenig zu tun. Denn der Energiesektor wandelt sich in einer Geschwindigkeit, die die Branche zu überrumpeln scheint. Treibend dafür sind zwei Faktoren: Ökostrom steht schon heute in großen Mengen bereit und ist selbst bei abnehmender Subventionierung lukrativ. Hinzu kommen die Verbraucher, die immer effizienter mit dem angelieferten Strom umgehen. Als Folge dessen schrumpft der Absatzmarkt für den konventionellen Kohlestrom. Die heutige Anzahl großer Kraftwerksblöcke im rheinischen Revier hat auf diesem Markt in absehbarer Zeit keine Zukunft mehr.

Dass die vielen tausend RWE-Mitarbeiter am Samstag auf die Straße gehen, ist richtig. Denn sie rufen ihrem Konzern, den politisch Verantwortlichen, einem ganzen Land ins Gewissen, wie viele Menschen noch heute ihre Existenz auf der Förderung von Braunkohle begründen. Doch ist es ratsam, aus dem an diesem Wochenende kulminierenden Streit keine Angst-, sondern eine Perspektivdebatte zu entwickeln. Denn noch bleibt Zeit, diese Region auf alternative wirtschaftliche Beine zu stellen.

Dazu muss man sich allerdings von dem in NRW immer noch gepflegten Glauben verabschieden, dass Kohle Zukunft ist. Schon einmal wurde hierzulande eine schmerzhafte Einsicht durch Hoffnung ersetzt. Mit dem Ergebnis, dass das Ruhrgebiet heute eine der ärmsten Regionen in der gesamten Republik ist. Das darf sich nicht wiederholen. Die Uhr tickt.

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