Kommentiert: Nötige Transparenz

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Kommentiert: Nötige Transparenz

Ein Kommentar von Claudia Schweda

Universitäten brauchen Drittmittel. Für Grundlagenforschung. Für besondere Projekte außerhalb des laufenden Betriebs. Für mehr Personal. Für die notwendige Nähe zur Realität, zu dem, was für die Menschen in der Anwendung Bedeutung hat. Drittmittel sind erst dann ein Problem, wenn die Universität zum bezahlten Lieferanten der Industrie wird und damit Forschung nicht mehr ergebnisoffen betreiben kann.

Die RWTH Aachen steht seit Jahren an der Spitze der Drittmitteleinwerber. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Summe auf 326 Millionen Euro verdoppelt. Etwa ein Drittel davon, rund 94 Millionen Euro, kommen aus der Industrie. Die Frage nach der Freiheit der damit betriebenen Forschung drängt sich ganz von alleine auf. Der Verdacht liegt nahe, dass es Auftragsforschungen gibt, bei denen der Geldgeber ein starkes Interesse am Ergebnis der Forschung hat – und das auch einfordert. Doch wie und worüber soll offen diskutiert werden?

Die Universitäten zu verpflichten preiszugeben, welchen Auftrag sie im Detail bearbeiten, kann ernsthaft niemand wollen, der die Hochschulen nicht von den praktischen Problemen der Industrie abkoppeln will. Jeder Autobauer wird sich sehr schnell einen anderen Entwickler suchen, der der Veröffentlichungspflicht nicht unterliegt, wenn die RWTH dem Konkurrenten das neueste Entwicklungsziel auf dem Silbertablett präsentieren muss. Deswegen ist es gut, dass keine Uni gesetzlich verpflichtet ist, ihre Drittmittelforschung sofort bedingungslos offenzulegen. Aber wäre es ein so großes Problem, offen zu sagen, woher das Geld kommt, für wen Gutachten erstellt worden sind oder – wenn die Entwicklung auf dem Markt ist – offensiv darzustellen, dass die Uni beteiligt war?

Die Forscher betonen, wie intensiv sie diese Frage intern diskutieren. Das mag sein. Von außen gesehen setzen sie in dieser Frage ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Expertise ihrer Forscher ist deswegen gefragt, weil sie als unabhängig gelten. Doch wie unabhängig kann ein Kernforscher der RWTH sein, der Drittmittel von Atomenergieanbietern erhält? Wie unabhängig ein Geologe in Fragen der Braunkohle, wenn er für RWE Gutachten schreibt? Eine ehrliche Diskussion über Drittmittel braucht ein transparentes Verzeichnis der Geldgeber.

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