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Kommentiert: Nicht nur Islamisten

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Wir leben in einer Zeit, in der uns fast täglich neue Formen von Kriminalität und Gewalt begegnen. Deshalb sind wir verleitet zu glauben, wir hätten schon alles erlebt und nichts könne uns noch schocken. Von wegen!

Die Festnahme eines 28-Jährigen im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Profis von Borussia Dortmund zeigt, dass es immer noch Dinge und Ereignisse gibt, die wir so nicht für möglich gehalten hätten. Eine komplette Fußballmannschaft aus purer Raffgier töten zu wollen, um sich selbst damit möglicherweise Millionen in die eigene Tasche zu scheffeln, setzt dem bisher gekannten die Krone auf und markiert ein neues Kapitel deutscher Kriminalitätsgeschichte. Es geht offensichtlich doch immer noch niederträchtiger und perfider.

Aber das ist nicht die einzige Erkenntnis, die sich aus dem Fall ziehen lässt. Eine andere ist, dass die Ermittlungsbehörden in Ruhe und mit der gebotenen Umsicht und Sorgfalt ihre Arbeit machen und sich nicht zu früh und zu weit aus dem Fenster lehnen sollten, wie in dem Fall geschehen.

Jedenfalls dürfte die Bundesanwaltschaft mindestens so überrascht wie alle anderen gewesen sein, als ihr klar wurde, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter nicht um einen Islamisten handelt. Denn genau auf diese Vermutung hatten sie sich schon kurz nach der Tat festgelegt. Ein peinlicher Schnellschuss, wie sich nun zeigt, der sich nicht mit einem zu hohen Fahndungsdruck rechtfertigen lässt.

Auch wenn es manchem ins Weltbild passen mag: Nicht jeder abscheuliche Gewaltakt in diesen Tagen ist islamistisch oder terroristisch motiviert. Eine Lehre aus diesem Fall muss deshalb sein, dass sich einseitige Ermittlungen in Richtung Extremismus künftig verbieten.

Dass die übereilte Schuldzuweisung der Bundesanwaltschaft in den Sozialen Netzwerken nur allzu bereitwillig aufgegriffen wurde, überrascht nicht. Auf Facebook und bei Twitter überschlugen sich die Nutzer mit den unterschiedlichsten und teils hanebüchenen Theorien des Tathergangs. In einem Punkt waren sich aber dann doch alle sehr schnell einig – auch mit der Bundesanwaltschaft: Der Täter konnte nur ein Islamist sein. Ja, was denn sonst?

Ein habgieriger Aktienspekulant zum Beispiel. Auch wenn man es nicht für möglich gehalten hätte.

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