Kommentiert: Nicht herumflicken

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Kommentiert: Nicht herumflicken

Ein Kommentar von Sabine Rother

Es wirkt alles irgendwie hilflos, planlos – kein gutes Gefühl, wenn es um junge Menschen und die Zukunft medizinischer Versorgung geht. Das Zulassungsverfahren zum Medizinstudium ist dringend reformbedürftig – allerdings nicht erst seit gestern.

Das Recht auf freie Berufswahl und der allgemeine Gleichheitsgrundsatz werden ausgehebelt durch die Tatsache, dass da einfach zu viele Bewerber mit Bestnote ein bestimmtes Studienfach anstreben.

Hier kann man den Hochschulen, die den Mangel an Studienplätzen immer wieder kundgetan haben, nicht den Schwarzen Peter zuschieben. Klar könnten sie Gespräche führen, psychologische Tests einführen, ein Auswahlverfahren einsetzen, das nicht nur die Intelligenz und Lernfähigkeit der Bewerber ermittelt, sondern zusätzlich einen Einblick in die jeweilige Persönlichkeitsstruktur gibt. Zusätzliche Mittel oder Stellen scheint es dafür aber nicht zu geben.

Und an der nächsten Ecke warten bereits die zukünftigen gerichtlichen Probleme, denn all das muss nachprüfbar, vergleichbar und gerecht ablaufen. Und dann gibt es neue Verhandlungen, hat die Gerichte zu tun. All das bezahlt der Staat, bezahlen die Bürger, darunter die Eltern der Spitzenschüler, die ins Studium drängen und sich davon selbst bei dreizehn Wartesemestern (eine absurde Vorstellung) nicht abbringen lassen.

Es wäre sinnvoll, an so einem Problem nicht weiter herumzuflicken, sondern endlich von Grund auf etwas Neues zu gestalten. Die Zahl der klugen Köpfe, die sich ein reformiertes Auswahlverfahren sehr gut vorstellen können, ist groß. Man sollte sie nutzen. Veränderungen dürfen nicht schaden. Sie bewahren im Idealfall sogar kluge Menschen vor schmerzlichen Fehlentscheidungen.

Fragen wie „Werde ich ein guter Arzt, weil Vater einer war?“ lassen manche Familien nicht zu – der Psychologe schon. Die faire Chance ist gefragt, verbunden mit einer Bereitschaft, eine Innenschau zuzulassen. Arzt ist eben nicht „einfach ein Beruf“. Man muss in der Lage sein, dem Leiden eines Menschen zu begegnen, stark und empfindsam, mit Nähe und Distanz. Das ist schwer.

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